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Eine Übersicht zu Georg Kreisler / Barbara Peters | weiter | zurück

img.kreislerpetersGeorg Kreisler
zumindest vom Namen her den meisten bekannt, daher eine sehr kurze Kurzbiographie: Jahrgang 1922, geboren in Wien. Als Österreich Ostmark und die Österreicher für sieben Jahre die deutschesten Deutschen wurden, 1938 in die USA emigriert. Amerikanischer Soldat, schrieb 1942 sein erstes (Soldaten-) Musical, danach beim Film in Hollywood und Barpianist in diversen Nachtbars. 1955 Rückkehr nach Wien, von Anfang 1956 bis Ende 1958 im Programm der Marietta-Bar. Danach Umzug nach München, Salzburg, Berlin, Basel. Seit 1976 mit der Berliner Schauspielerin, Sängerin und seiner Bühnenpartnerin Barbara Peters unzertrennlich und verheiratet

Kreisler gilt vielen als der bedeutendste deutschsprachige Kabarettist und Liedermacher (auch wenn er das Wort nicht mag) nach dem Zweiten Weltkrieg. Seine Lieder werden vielfach nachgespielt - manche Kleinkünstler bestreiten ihre kompletten Programme mit Kreisler-Titeln, seine Musicals werden an vielen Bühnen aufgeführt, sein Musical »Heute Abend - Lola Blau« zählt als das erfolgreichste Kleinmusical der Welt.

Dies ist die eine Seite seines virtuosen Umgangs mit Musik, der deutschen Sprache und als »Meister des Binnenreimes«. Die andere Seite - er ist auch Meister der klaren Worte und eindeutigen Positionen - findet nicht diese Anerkennung. Seit 40 Jahren ziehen sich viele »Leitende« in Unterhaltungs- und Medienindustrie die Schuhe an, die Kreisler schustert. Nicht zuletzt ist dies der Grund, das er im Vergleich zu vielen bekannten Meistern des Flachsinns und der Anpassung in der amtlichen Kultur wenig präsent ist.

Einige Beispiele an klaren Worten:
Frage: »Wenn man Kabarett im Fernsehen sieht, hat man oft das Gefühl, dass dort eher das Wollen als das Können im Vordergrund steht «
Kreisler: »Das liegt daran, dass ein Kabarettist ja von Natur aus aggressiv sein, unsere Gesellschaft, unsere Politik in Frage stellen muss und dass das Fernsehen das nicht gern hat. Die Leute, die dort das Sagen haben, die wollen eigentlich eine Alibi-Kritik haben, aber keine ernsthafte Kritik. Nun, welcher Kabarettist macht Alibi-Kritik? Der schlechte Kabarettist! Folglich haben wir schlechte Kabarettisten im Fernsehen. Gute kommen nicht hinein.«

Frage: »Ist das ein Verlust an Kulturqualität?«
Kreisler: Das ganze Fernsehen ist ein Verlust an Kulturqualität! Nicht nur für das Kabarett Was im TV heute geboten wird, ist furchtbar! Ich find's schlimm! Was nicht ausschliesst, dass gelegentlich mal eine gute Sendung zustande kommt. Fernsehen hat eine solche Macht bekommen, mit diesen idiotischen Shows Es ist so, dass es ein kulturelles Leben immer unmöglicher macht. Die Leute werden ja total abgestumpft! Weil das solch eine Gleichschaltung ist, auf niedrigstem Niveau! Und das schlägt sich natürlich auch in der Literatur und in der Musik nieder, dass man sich diesem niedrigen Niveau immer wieder anpassen soll Und das Publikum wird immer undifferenzierter. Die Leute lachen ja schon, wenn jemand irgendeine alte Zote erzählt, und applaudieren so, dass man manchmal am Verzweifeln ist. Aber das ist halt die Zeit, in der wir leben. Ich glaube, es war früher differenzierter, weil diese Massenmedienkultur nicht da war, aber ich glaube auch, dass das Pendel wieder zurückschwingen wird. Das Theater ist im Gegensatz zu dem, was man eine Zeitlang gesagt hat, eben nicht verdrängt worden vom Fernsehen - das Theater wird letztlich siegen.«

Frage: »Worauf stützen Sie diese Hoffnung?«
Kreisler: »Weil der Mensch ein Bedürfnis nach Kunst hat und ohne Kunst nicht leben kann. Deswegen wird er letztlich auch die Kunst finden und nicht das Fernsehen.« / mit freundlicher Genehmigung von Sven Thielmann, Weltwoche, CH

Und weiter mit Klartext: »In den 50er und 60er Jahren war das Kabarett ein SPÖ oder SPD-Kabarett. Erst in den späten 60er Jahren haben sich aufmüpfige, nicht systemkonforme Kabaretts gebildet: Floh de Cologne und die Machtwächter in Köln, die Schmiere in Frankfurt und eine Menge anderer Kabaretts. Ende der 70er Jahre hat das wieder aufgehört, und in den 80er Jahren haben wir mehr und mehr ein Unterhaltungskabarett bekommen, und das haben wir heute noch. Es gibt ganz wenige Kabarettisten, die sich nicht systemkonform verhalten.«

Soweit, so schlecht. Abschliessend zwei Stimmen, stellvertretend für die vielen Kulturredakteure der schreibenden Zunft:

  • » So befremdlich es also für Georg Kreisler sein muß, ewig auf seine Anfänge festgenagelt zu werden, so verständlich ist es andererseits. Denn selten ist nach dem Krieg etwas derart Zeitloses auf der Bühne präsentiert worden. Und das betrifft nicht nur die Form, wie in den unvergleichlichen sprachspielerischen Songs wie die »Zwei Tanten«, die im Hinterhaus allen weltlichen Unbilden zum Trotz Tango tanzen, sondern auch die Inhalte « / Süddeutsche Zeitung
  • »Müsste man ihn vergleichen, gäbe es wohl im deutschen Sprachraum keinen Kabarettisten, den man ihm zur Seite stellen könnte: Der Österreicher Georg Kreisler, dessen Karriere nach der Emigration in die USA im Wien der fünfziger Jahre neben Helmut Qualtinger, Gerhard Bronner und Carl Merz begann, wäre heute wohl am ehesten dem galligen Genre des amerikanischen Songwriters Randy Newman zuzuordnen. Obwohl Kreislers Markenzeichen der rabenschwarze Sarkasmus wurde, gehörte sein Interesse immer auch dem politischen Kabarett - in den sechziger Jahren wurde seine TV-Sendung »Die heisse Viertelstunde« denn auch prompt von den deutschen Fernsehgewaltigen abgesetzt.« / Die Weltwoche, CH


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