HOME

Unten

kip media im internet... / E-Mail: info@kip-media.de
Stand: 22.04.2004
kip-Infos: Einige Hinweise / Bestellungen / Gästebuch / www.Links / Impressum

kipLogo


Erstevorher

Mehr Böse Dinge: Auftritte / Platten / Aktuelles / Allgemeines / Programme / Stimmen / Der Klare-Klan

naechsteLetzte

Stimmen zu Das Böse Ding | weiter | zurück

.

bd.cotton2»Böse Jungs kommen überall hin. Das Böse Ding«
Eingeborene Nachfahren echter Teutonen sind sie, und sie lassen es musikalisch ganz bewusst darauf ankommen. Im Rudel treten sie auf, Krachmacher und im nächsten Moment zarte Musik zelebrierende Männer, niemals Leisetreter. Gerade fast unhörbar an der Hörschwelle, dann Jericho im Quartett, eine dynamische Meditation fürs Trommelfell. Jazz heißt ihr Stil, oder Rock, oder Swing, oder Free Jazz, oder sonstwie. Parker, Ellington, Chambers, Hampel, Coltrane, Coleman kennen sie - und Gentle Giant, Yes, Genesis, The Who haben Einfluss gehabt. Schubladen funktionieren auch für diese Combo, aber es muss schon ein Apothekerschrank her, der sie alle lädt. Lautmacher, Marktschreier, Tonflüsterer sind sie für das eigene Ding, und das ist manchmal DAS BÖSE DING.

Eine Komposition der Debüt-CD 1994 gibt zunächst dem Album den Titel, wird dann zum Namen der Band erkoren, »DAS BÖSE DING« ist getauft. Den Paten gab für die erste CD der Londoner Tausendsassa Dean Broderick: der schneiderte seine Kompositionen dem Quartett auf die Seele, steuerte zusätzlich Inspiration auf der Melodica bei, ein Konzeptalbum entstand, a la Vivien Westwood für die Ohrmuscheln.

Ursprünglich eher prosaisch das Jan Klare/Tom Lorenz Quartett geheißen, existiert DAS BÖSE DING seit fünf Jahren in Deutschland und Europa. Im Quartett verzücken und verunsichern Jan Klare, Saxophon, Tom Lorenz, Vibraphon, Hartmut Kracht, Bass, und Wolfgang Ekholt, Drums, die Jazzgemeinde. Gewinnen Kritik und Publikum für sich, machen den Ersten Preis beim »Dortmunder Jazzmatch«.

Mit hohem handwerklichem Vermögen tritt DAS BÖSE DING vor sein Publikum. Will konzeptionell die egozentrische Ausgangssituation des Beziehungsgeflechts zwischen Musikern und Hörerschaft aufbrechen. »Wir machen musikalisches Entertainment auf seriöser Ebene«, erläutert Jan Klare, »Ausgangspunkt sind konstruierte musikalische Bausteine, die im Konzert frei improvisiert, in einen neuen, einmaligen Zusammenhang gebracht werden«. Hier ist eine Viererbande am Werk, die intelligent revoltiert gegen feinstpoliertes musikalisches Einerlei virtuos getunter Retrojazzer.

Die Jazzoluzzer vom BÖSEN DING nagen, kratzen dabei auch an der eigenen Schale, alle vier Musiker haben ihre Laufbahnen brav bürgerlich erfolgreich mit ansehnlichen universitären Zertifikaten garniert, haben nach Zusammenarbeit mit lkonen des Jazz auch die höheren Weihen der Jazzpolizei empfangen.

So what! Nichts als Jugendsünden, kreative Nestbeschmutzung ist angesagt. Den Kritikastern Rätsel auf den Weg geben. Die Pflicht eines Jazzers ist, Jazz(revolution) zu machen. »Die Grenzen sind im Kopf, nicht auf der Landkarte«, konstatiert der bekennende Provinzler Jan Klare.

Folgerichtig heisst ihre zweite CD im Jahr 1996 »cleanhappydirty«. Und klingt genau so. Schlägt zu, zärtelt, knarrt, kracht, lacht, singt voll Schmerz einher, blitzt auf mit allen Ingredienzen von Swing, Bebop, Cool, Hardbop, Free, Neobop - keine Stilistik der letzten sechs Dekaden des afroamerikanischen Jazz ist ihnen fremd, plus Rock, Rap, Pop ... .

Für den erfahrensten Musiker des Quartetts, Schlagzeuger Wolfgang Ekholt, klar »Die spannendste Musik seit langem«. Ekholt, in Deutschland seit den 70er Jahren als Schlagzeuger mit Kenny Wheeler, Joachim Kühn, Wolfgang Enetfeld u.a. bekannt, schätzt am BÖSEN DING besonders die »geplanten« Überraschungen. Scheinbar ein Widerspruch in sich, der aufgelöst wird durch die Praxis im Konzert. Ekholt: »Wir sind z.B. nicht von vornherein festgelegt auf zeitbezogenes oder freies Spiel, unser Spiel ist immer ein dynamischer Prozess, der zwar probierte und komponierte Bausteine hat, die jedoch immer aufs neue miteinander kombiniert oder gänzlich anders gestaltet werden«.

In dieser Band geht es schon lange nicht mehr nur darum, die traditionellen Rollenverteilungen umzuschmeißen, andere Abläufe als »Thema-Solo-Solo-Thema« zu variieren. »Unser Konzept bedeutet kreative Flexibilität, wir stellen nicht jedem x-beliebigen Publikum immer gleiches auf die gleiche Art vor, das Feedback zwischen uns und dem Publikum nimmt ganz ausdrücklich Einfluss auf unseren Schaffensprozess«. Jan Klare stellt den Entstehungsprozess auf dieselbe Rangstufe wie das Ergebnis; insofern ist DAS BÖSE DING vor allem anderen eine LIVE-Band.

Unterhaltung und künstlerischer Anspruch der Musik begegnen sich bei Jan Klare gleichberechtigt, Auf der Bühne, mitten im Leben, spielt die Musik, Und sie tut es nicht ohne das Wechselspiel mit den Stimmungen, Gerüchen, Geräuschen, Farben, die in der Situation vorhanden sind. DAS BÖSE DING entwirft seine konzertante Farbe, einem Chamäleon gleich, auch gemäß den Reaktionen, Stimmungen, (falschen) Erwartungen des Auditoriums. »Es kommt nichts aus deinem Horn, was du nicht gelebt hast«, dieser über Charlie Parker kolportierte Satz gilt besonders auch für DAS BOSE DING. Im Begriff »Eingeborenenmusik« verbirgt sich für Jan Klare die selbstbewusste Entscheidung, ein »Hiesiger« zu sein. Ein Musiker, den viele musikalische Expeditionen nach England und den Niederlanden biographisch beeinflussten. Klare legt Wert auf die real existierenden Eigenarten und Eigenwilligkeiten des deutschen, des europäischen Jazz, jedes Musikers, er zählt nicht zu jenen, die während jedes Solos auf die Kollegen jenseits des Großen Teichs schielen.

Die Band stammt gänzlich aus dem überschaubaren geographischen Dreieck Düsseldorf, Essen, Münster. Aus dem Rheinland stammt Tom Lorenz, dessen Diktion auf dem Vibraphon ihn so ganz und gar gegen den Strich bürsten lässt: »lch suche eigentlich nach Wegen, die dem Instrument »Hinterhältiges«, »Böses« entlocken«. Lorenz weiss um die Crux seines Instruments, immer Schönklang zu verbreiten, seine Stilistik enthält sich deshalb süß perlender Arpeggien, er zieht spannungsgeladene enge Lagen der Akkorde und Blockakkorde vor.
Mit der Volljährigkeit begann zunächst sein Weg zum Schlagzeug, die akademische Ausbildung zum Schlagwerker folgte. »Mir fiel auf, dass ich als Schlagzeuger den melodischen Linien der Frontleute ins Detail folgte, die Entscheidung fürs melodiefähige Instrument war fällig. Das Studium der Aufteilung der Zeit«, formuliert Lorenz, »bekam seine Ergänzung um den Klang, die Melodie.« Für Lorenz ist »das Vibraphon die ideale Verquickung aus Rhythmus und Klang, bietet eine (noch) seltene Variante gegenüber traditionellen Besetzungen, ist für mich mal Sprache, mal Farbe, immer Stimmung, auch Stille.« Und Jazz ist immer auch Experiment, Mitteilungsversuch, lautet Lorenz' Credo.

»Für mich sind die besten Konzerte die, bei denen ich die ursprüngliche Begeisterung spüre, die mich einmal bewogen hat, überhaupt mit dem Musikmachen anzufangen«. Hartmut Krachts Anspruch an die Musik und sich selbst ist extrem: »Bei jedem Konzert mit DAS BÖSE DING ist dies der Fall«, seine schwarzgewandete Rolle als »Böser Mann« am Kontrabass lebt von Kompromisslosigkeit und unbändiger Begeisterung für die Musik, getrieben von Puls eines großen Herzens.

Die aktuelle CD wird stärker als die vorigen Produktionen geprägt von Jan Klares Einfluss als Komponist. Dem Konzept der Band folgend hört man am Ende immer Ergebnisse kollektiver Verarbeitung der kompositorischen Idee. Erst der essentielle Einfluss aller Musiker in die Gestaltung macht die Komposition zum gefertigten Stück. // Christoph M. Berndt


Erstevorher

Mehr Böse Dinge: Auftritte / Platten / Aktuelles / Allgemeines / Programme / Stimmen / Der Klare-Klan

naechsteLetzte



Oben

kip-Infos: Einige Hinweise / Bestellungen / Gästebuch / www.Links


Impressum & Kontakt: kip media, Flurstraße 124, D-46535 Dinslaken
Telefon +49 2064 40366 Telefax +49 2064 40367

HOME