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Stimmen zu Ernst Stankovski. | weiter | zurück
Lesetipp: eine ungewöhnliche Anerkennung!

es_bildB02bSeine Moliere-Fassung...
Mit ein paar Brocken Latein
»Der eingebildete Kranke«

Ernst Stankovski hat mit dem Ensemble der Freilicht-Spiele Bad Kissingen aus Molieres bissiger Ärzte-Satire einen turbulenten Theaterabend geschaffen und dabei hemmungslos die Typenkomödie mit Spielelementen der Commedia dell'arte vermischt. Dabei benutzt er Molieres Stück in seiner Nachdichtung gleichsam nur als Spielangebot, befreit von Schäferspiel und Ballett, mit Musik, Bänkelsang und moritatenhaften Überleitungen stimmig ergänzt. Natürlich bleibt dabei viel Raum für Gags und BIödeleien. Alles wirkt locker, wie improvisiert

Der strahlende Mittelpunkt der Aufführung, die im Burghof zu Eltville gastierte, ist natürlich Ernst Stankovski, der als Argan alle Register seines komödiantischen Könnens zieht, Er ist ein Kauz ein zänkischer Greis, dann aber wieder ängstlich um sein kleines Leben. Es ist ein Vergnügen, Altmeister Stankovski bei der Arbeit zuzusehen, vor allem deshalb, weil man sieht, mit welcher ungeheuren Spielfreude und Lust auch am großen Schmierentheater er bei der Sache ist.

Doch obwohl sein Argan der Dreh- und Angelpunkt der Inszenierung ist, hat der Regisseur Stankovski den übrigen Akteuren genügend Raum gegeben. Vor allem Christiane Rükker als derb-zupackande Toinette und Peter Josch ah Beralde haben hinreißend komische Auftritte, und Karl Dobravsky und Johannes Dick lösen als Vater und Sohn Dlafoirus Szenenapplaus und Lachsalven. aus: leichtes Sommertheater mit dem nötigen Schuß Esprit. // Matthias Bischoff


Auf die Charaktere konzentriert
Wunderbar: Molières »Der eingebildet Kranke«

...Trotz feuchter Kühle feierten die Premierenbesucher begeistert eine wunderbare Aufführung dieses Komödien-Klassikers. Zum Erfolg trug einmal die ausgezeichnete Schauspieler-Truppe aus Wien bei, die Peter Josch, der künstlerische Leiter, in die Saalestadt geholt hatte, zum zweiten vor allem Ernst Stankovski in dreierlei Funktion: Er hatte Molières Stück neu übersetzt, gefasst und leicht gekürzt, dabei auch den Titel sinnvoller Weise geändert; er führte Regie und er verkörperte die Hauptrolle, den Argan. Seine Neu-Übertragung des Textes zeichnet sich vor allem durch feinen Sprachwitz aus, beinhaltet auch die Zwischenspiele und »Ballette« zu Anfang und Ende, die sonst meist gestrichen sind, und hebt dadurch das Geschehen auf eine theatralisch-kommentierende Ebene. So erfährt das Stück eine ironische Abrundung und führt alles am Schluss ins Groteske.

Er tat noch ein Weiteres: Durch den Prolog von Augustin de Rojas und durch die Einfahrt eines hoch beladenen Thespis-Karrens, mit dem das bunte Theater-Völkchen heranrollte, die Requisiten auspackte und die zuerst gänzlich leere Bühne mit ein paar Tüchern und Gegenständen zum »Maison Argan« umfunktionierte (Bild Herwig Libowitzky, Kostüme Doris Ute Reichelt), wurde auf den historischen Hintergrund, die commedia dell arte verwiesen....

Überhaupt hat Stankovski der Versuchung widerstanden, auf Lacheffekte zu schielen und platten Klamauk vorzuführen wie etwa die häufig zu erlebende Kissenschlacht. Bei ihm konzentriert sich alles auf die Charaktere. Der »eingebildete« Kranke war Ernst Stankovsky selbst - ein nörgelnder, unausstehlich misstrauischer Mensch, aber auch ein ängstlicher Egomane, der sich im Grund vor der Wahrheit und vor dem Leben fürchtet, einer, der bei allen Schrullen immer listig auf seinen Vorteil sinnt; mit feinsten Nuancen lotete Stankovski alle Facetten der Rolle aus, die falsche Selbsteinschätzung, die diktatorische Beherrschung der Familie durch Krankheit und die Rührseligkeit falscher Empfindungen - kurz: Dieser Argan war ein Ekel von Format, nie übertrieben jammernd oder zu greisenhaft und tatterig; er setzte seine Kraft halt immer auf dem falschen Gebiet ein, indem er seine scheinbaren Wehwehchen kunstvoll pflegte. ... Viel Beifall. // Renate Freyeisen - Main-Echo

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