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Stimmen zu
Ernst
Stankovski.
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Lesetipp: eine ungewöhnliche Anerkennung!
Die aktuellen Kabarett-Programme
-
Schöne Bescherung
- Die
Wiener Mischung
- Geh
zu den Gauklern
- Keine
Spur von Literatur
Schöne
Bescherung:
Verse aus dem Gabensack
Emst Stankovski im »unterhaus im unterhaus« /
Mainer Allgemeine Zeitung
wit - »In diesen fetten Tagen begrüßt man
jeden Anlaß, bei dem man nicht isst« - so
»rechtfertigt« Ernst Stankovski sein
Weihnachtsprogramm »Schöne
Bescherung«.
Mit ironischen Knittelversen eröffnete er den Abend als
Weihnachtsmann, der aus seinem Sack die verschiedensten
literarischen Auseinandersetzungen mit dem
Weihnachtsgeschehen zieht. Er beginnt mit dem
Lukas-Evangelium - und der große Charakterdarsteller,
bewährt an der Seite so unterschiedlicher Namen wie
Fritz Kortner, Wolfgang Spier Heinz Rühmann und Peter
Zadek, vermag die ursprüngliche Spannung des Textes
lebendig werden zu lassen. Mit »Alpenländischem
Krippenspiel«, dem ironischen Lakonismus von Peter
Handkes »Lebensbeschreibung« und Josephs
Tagebucheintrag aus Wittes »Davids Sohn« war die
Variation des gleichen Inhalts nur bedingt unterhaltsam.
Doch Goethes »3-Königs-Kindervers«, Rosa
Luxemburgs »Weihnachtsbrief 1917« aus dem
Gefängnis Breslau und eine altägyptische Zeitklage
und Heilsverheißung (»Horusknabe«),
über 4 000 Jahre alt. faszinieren als echte Funde.
Temporeich, mit kabarettistischem Esprit, folgten
Reflexionen über das Geschlecht des Weihnachtsmanns und
Ringelnatz' Besinnung auf wahres »Schenken«. Ein
eigenes Lied - Stankovski kommentiert musikalisch alles
selbst am Klavier, »Der Weihnachtsbaum«, voller
Zuckerbrotschmuck und erotischer Anspielungen, weist ihn mit
bitterem Humor in die Wiener Traditionslinie
Kreisler/Bronner.
Brechts »Paket des lieben Gottes aus Chicago« wird
passend unterlegt mit einem Blues. Stankovskis Charme und
Selbstironie blitzen in seinem verschmitzen Lächeln;
seine Wandlungsfähigkeit begeistert, wenn er Andersens
»Mädchen mit den Schwefelhölzern«
kontrastiert mit Gorkis Geschichte .,Vom Knaben und
Mädchen. die nicht erfroren sind«. Vor 22 Jahren
war er zum ersten Mai hier - nun hoffentlich nicht zum
letzten Mal, wie Stankovski ankündigte. //
Übersicht
Die
Wiener Mischung:
Wiener Schmäh exemplarisch
Literarisch-musikalische
»Werbeveranstaltung« /Vielseitige
Künstler
Im Brockhaus, dem großen »Deutschen
Wörterbuch«, wird der
»Schmäh« als »billiger Trick,
Schwindelei, Ausflucht, oberflächliche
Höflichkeit« definiert. Doch wenn man Ernst
Stankovski glauben darf, dann wird dieser Begriff
häufig missverstanden. Er habe nichts mit Verlogenheit
zu tun, vielmehr umschreibe er eine Art, sich gefällig
auszudrücken. Den 71-jährigen Wiener aus Hernals,
dem 17. Bezirk der österreichischen Hauptstadt, beim
Wort genommen. bedeutet das, es war Wiener Schmäh
exemplarisch. was er und das Diabelli Trio in der Akademie
Würth in Künzelsau präsentiert haben. Wer
Wien nicht schon kannte und liebte, der lernte es bei dieser
einzigartigen Liebeserklärung kennen. Wer noch nicht in
Wien war, der muss nach dieser literarisch-musikalischen
»Werbeveranstaltung« einfach hin. Den Preis
des Wiener Fremdenverkehrsverbands, wenn es einen solchen
überhaupt gibt, hat das Programm mit dem Titel
»Eine Wiener Mischung« gewiss verdient.
»Eine Wiener Mischung»; das sind
»Zuckerln«, die normalerweise in Papier
eingepackt sind. In Literatur und Musik eingepackt, wurden
diese »Zuckerln« jetzt serviert. Und wie es sich
gehört, waren nicht alle süß, manche waren
auch sauer und einige sogar bitter. Oder mit anderen Worten,
Ernst Stankovski, der von der Bühne und vom Fernsehen,
aber auch vom Film her bekannte Schauspieler, beleuchtete an
diesem Abend als Texter, Komponist, Moderator, Rezitator,
Couplet-Sänger, Gitarrist und Darsteller in einer
Person nicht nur die Licht-, sondern auch die Schattenseiten
seiner Heimatstadt. So räumte er auch mit einem
Vorurteil auf, das besagt, der Wiener sei verfressen.
kunstliebend, charmant und gemütlich. In Erinnerung an
die alte k. u. k. Doppelmonarchie behauptete er
nämlich, verfressen seien die Ungarn, kunstliebend
seien die Habsburger, charmant die Aristokraten gewesen und
gemütlich seien die Tschechen. Und was die Kunst
betrifft, so kümmere sich der Wiener um sogenannte neue
Kunst erst, wenn sie sich woanders durchgesetzt habe.
Der Walzer »An der schönen blauen
Donau« von 1867, gespielt von dem Diabelli-Trio
(Willy Freivogel, Flöte; Enrique Santiago, Viola;
Siegfried Schwab, Gitarre), stand am Anfang. Das in der
ursprünglichen Besetzung von Josef Lanner, dem
Schöpfer einer neuen Form des Wiener Walzers, spielende
Trio interpretierte nicht nur diesen
Johann-Strauß-Walzer gekonnt, es sorgte auch mit
anderen alten Weisen und neuen Kompositionen von Ernst
Stankovski für eine passende musikalische Illustration
des Abends.
Ernst Stankovski selbst erwies sich nicht nur als ein
vielseitiger Künstler, der das Hobellied aus Ferdinand
Raimunds »Verschwender« ebenso
einfühlsam sang wie ein Heurigen-Medley, der Josef
Weinhebers »Phäake« ebenso
sinnfällig rezitierte wie Fritz Grünbaums
»Gast«, der mit Hermann Leopoldi dem Cafe
ein Denkmal setzte und mit Fritz Löhner-Beda
erklärte: »Was braucht der Wiener«, er
machte auch einen kulturhistorischen Streifzug durch die
Donau-Metropole, bei dem er die Eigenarten Wiens und der
Wiener mit eigenen und auch mit fremden Worten aus dem um
die letzte Jahrhundertwende erschienenen Buch
»Letzter Glanz der Märchenstadt«
skizzierte, er plauderte über das Theater in Wien,
über die Wirtshäuser, die Hotels und die
Friedhöfe und streute immer wieder Wissenswertes
über das Wien außerhalb der Literatur und der
Musik in seine Conference ein.
Ernst Stankovski, der wandlungsfähige
Wortkünstler, und das Diabelli-Trio, die
anpassungsfähigen Musiker mit eigener Note, verdienten
sich mit diesem Programm den Titel Wiener Sonderbotschafter
in Sachen Kultur // Dieter Schnabel - Fränkische
Nachrichten // Übersicht
Geh
zu den Gauklern
Hamburger
Abendblatt: Ernst Stankovski begeisterte im
»tik«
Ernst
Stankovskis neues Programm, im überfüllten
»tik« gestartet, wurde - wie nicht anders zu
erwarten - zu einem faszinierenden und bewegenden Erlebnis.
Der Wiener, der Schmäh und Charme genauso auf der
Palette hat wie harte Zeltkritik und doppelbödig
bösen Witz, entläßt niemanden, der
zuhören und denken will, aus dem Bann seiner Lieder und
Gedichte.
Stankovski schreibt seine Texte selbst. Sie überragen
an Niveau und Anspruch alles, was uns heute von sogenannten
ernsthaften Kabarettisten geboten wird. Er hebt seine Themen
ganz sanft wie Nebensächlichkeiten auf. Aber er macht
aus ihnen fast immer ein makabres Bild unserer von
Erfolgsstreben und ideologisierenden Thesen
durchtränkten Zeit. // ILSE HÖGER -
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
Die neueren Texte, was für sie spricht,
enttäuschen ein Publikum, das »seinen«
Stankovski erwartet; sie besitzen böse, sensible
Intensität, von der manche Nur-Schreiber vielleicht nur
zu träumen wagen.
Immer - und das macht die »Couch« des
Nicht-Liedermachen Stankovski besuchenswert - ist ein
ungewöhnliches Empfinden für die Sprache zu
vernehmen - und für die Nicht-Sprache. Und dies bei
einem, der »eigentlich« längst tot sein
müßte, aufgefressen von den Unterhaltungsmedien
und totgestreichelt von seinen Gemeinden. / CLAUS
HEINRICH MEYER
GÖTTINGER TAGEBLATT
»Geh zu den Clowns, den Gauklern und den Narren. dort
wirst du zwar nichts, doch das in Wirklichkeit
erfahren«, meint Stankowski.
Die Gaukler sind selten geworden; wenn die dazu so modern,
so kritisch und so gekonnt daherkommen, finden wir schon gar
keine Kästchen mehr für sie. Was dem, den wir hier
gesehen haben, gerade recht sein mag. / Jens
Brömer
MAINZER ANZEIGER
Hier ist ein Mann, der allerhand zu sagen hat, und was er zu
sagen hat, sagt er mit vollendeter Eleganz. Da wird,
jenseits plumper Polemik, die bittere Pointe formvollendet
und mit Grazie serviert, das Ungemütliche und Unbequeme
zum ernsthaft kiinstlerischen, sehr verbindlichen,
wesentlichen Phänomen vertieft und verfeinert; hier
wird sogar bisweilen scharf, aber höchstens mit dem
Florett statt mit dem Dreschflegel gekämpft; und man
verläßt dieses herrliche »Schauspiel«
so nachdenklich, wie es gemeint ist - trotz aller
Gedämpftheit, aller witzigen Eleganz mit erheblich
ramponierter Selbstgefälligkeit und betroffen in jedem
Sinne.
Wie soll man das Vollkommene loben? Was hier kabarettistisch
geleistet wird, ist so großartig daß es
Maßstäbe aufrichtet. Es gibt in den scheinbar
gefälligen, oft genug bitterbös und messerscharf
pointierten texten Formulierungen von dichterischer
Prägnanz und Lebendigkeit. // Übersicht
Keine
Spur von Literatur...
Seine Matinee im voll besetzten Ibach-Saal erinnerte an
den Todestag des Düsseldorfer Kabarettisten Peter
Thomas Heydrich.
Mit dem Himmel haben die Kabarettisten von je her ihre
Probleme. Als geborene Skeptiker trauen sie den
versprochenen paradiesischen Zuständen nicht. Zum
Beispiel Fritz Grünbaum im Wien der zwanziger Jahre. Er
servierte seinem Publikum, das danach jifferte wie ein Hund
nach dem Knochen, jede Woche eine Ballade, so auch eine
über den Fritz Grünbaum im Himmel, wo der durch
nackerte Fuß', einen Lilienstängel in der Hand
und unbequeme Flügel auf dem Rücken in einen
paradiesischen Zustand versetzte Kabarettist feststellen
musste: »Zum Fliegen sind die Flügel
nicht.«
Überhaupt gefiel es ihm da oben nicht, lieber zum
Teufel in die Hölle. Dahin kam Grünbaum
später, sie hieß Konzentrationslager. Dort
dichtete er das Buchenwaldlied, das von Peter Beda vertont
und von den Insassen unter höllischen Bedingungen
gesungen werden musste.
Dieses Stück österreichisch-deutscher Geschichte
erzählte, spielte und sang gestern Ernst Stankovski im
Ibach-Saal des Stadtmuseums, in den das Museum und die
Düsseldorfer Volksbühne zu einer Matinee der Reihe
»im Wort« eingeladen hatte.
Ernst Stankovski, dem Düsseldorfer Publikum als
Schauspieler bei Karl Heinz Stroux, aber auch durch
Soloabende im alten Apollo-Theater verbunden, gehört zu
denen, die von Kind an in die deutschsprachige Kabarettszene
hineinwuchsen, der das Theater am Reinhardt-Seminar, das
Kabarett bei Gerhard Bronner studiert hat. Der richtige Mann
also, um mit dieser Veranstaltung auch an den vor einem Jahr
gestorbenen beliebten Düsseldorfer Kabarettisten Peter
Thomas Heydrich zu erinnern, der Museumsdirektor Dr. Wieland
Koenig in Freundschaft und der Volksbühne durch
langjährige Zusammenarbeit verbunden war. Auch er
übrigens ein Stück Deutscher Geschichte und
Kabarett-Geschichte. Sein Onkel war der während des
Krieges in der Tchechoslowakei ermordete berüchtigte
SS-Führer Reinhard Heydrich, eine Last, die Peter
Thomas Heydrich auf sich nahm, eine Schuld, die nicht seine
Schuld war, die er aber als unbeugsamer Zeitkritiker
abzuarbeiten versucht hat.
Die meisten Menschen im Publikum im gedrängt vollen
Saal und bei offenen Türen wussten, ja ahnten wohl
nichts von diesen schicksalhaften Zusammenhängen, die
bis heute in jedem Abschnitt deutscher Kabarettgeschichte zu
entdecken sind. Es genoss die Meisterschaft Stankovskis, uns
vergangene, scheinbar sorglose Zeiten ohne billige
Rückwärtsschau a la »Das waren noch
Zeiten« nahezubringen. Ein bisschen wurde man - und das
bestimmt im Sinne Peter Thomas Heydrichs - an einen immer
heiterer werdenden Beerdigungskaffee mit Streuselkuchen und
Likörchen erinnert, als es im Saal summte:
»Ausgerechnet Bananen« oder »Das ist die
Lu-Lila, von Kopf bis Schuh lila«.
So geht's weiter: »Sie hat das Hemd lila, wenn jemand
kömmt lila, macht sie die Lampe lila, am lila
Bett«. Mitte der dreißiger Jahre ging die
Kabarettlampe für ein Jahrzehnt ganz aus. Und 1956, so
erinnert sich Ernst Stankovski an den alten
österreichischen Kabarettisten Hermann Leopoldi, der
mit Mühe dieses Jahrzehnt überlebte hatte, aber
sein Publikum nicht mehr erreichte, habe der resigniert
geflüstert: »Es is a schweres Brot.«
Stankovski, der nach der Pause als des Teufels Gegenspieler,
als Kasper mit der Pritsche auftrat, hat es da leichter,
ohne es sich leicht zu machen. / GERDA KALTWASSER -
Rheinische Post // Übersicht oben
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