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Stimmen zu Ernst Stankovski. | weiter | zurück
Lesetipp: eine ungewöhnliche Anerkennung!



ERNST STANKOVSKI
Figaro hier, Schauspieler dort - Theatermann mit Leib und Seele
Sein Illustriertenimage vom smarten Frauenschwarm mit Stimme hat er schon längst abgelegt und auch einige Stationen seines Künstlerlebens. Etwa den Fernseherfolg von einst, die Musikrätsel-Show „Erkennen Sie die Melodie” will er als „Episode des Lebens nicht gerne erwähnt” wissen: Ernst Stankovski blieb und bleibt sich selber treu, ist ein Einzelgänger der deutschsprachigen Theaterszene mit Hang zu grauschwarzen Daseinszuständen, ein ungemütlicher „Exportwiener” (wie es ein Kritikerkollege einmal treffend formulierte) und „preisgekrönter Tingler”, aber auch ein wunderbarer Gaukler, großer Schauspieler mit dem theatralischen Herz am rechten Fleck.

Deutschland war und ist seine künstlerische Heimat. Aber in Österreich lebt er, still arbeitend abseits des Getöses der Gesellschaft. In der Nähe von Wien, dem Ort seiner Wurzeln, der Stadt seiner Ausbildung, die in den fünfziger Jahren auch zum Startplatz seiner großen Karriere wurde. Denn Wiener ist Ernst Stankovski (eigentlich Ernst Rudolf Stankovsky) durch und durch. Geboren 1928 in Hernals (gleich neben dem Metropol-Theater) als Enkel eines Bierkutschers und Sohn eines Friseurmeisters, hat er sich vom Wienerischen nie distanziert. Auch wenn er es kritisch betrachtet, seine Schwächen aufdeckt, entblößt.

Typisch wienerisch dachte auch sein Vater, der Herr Kommerzialrat: Handwerk hat goldenen Boden. So lernte Stankovski junior das „Figaro”-Gewerbe. Aber nach der Gesellenprüfung zog es ihn vom väterlich befohlenen Brotberuf und dem „Laientheaterspiel so nebenbei” weg in „wahre hehre künstlerische Sphären”.
Ausgebildet am Max-Reinhardt-Seminar, hatte er von 1946 bis 1950 sein erstes Engagement in Wien: im Theater in der Josefstadt, wo er im Rollenfach des „jugendlichen Charakterkomikers" eingesetzt wurde. Schon bald aber machte er auch als Kabarettist, dank damaliger Größen wie Gerhard Bronner, Helmut Qual- tinger und Georg Kreisler, in Wien Furore. Etwa in der legendären „Marietta”-Bar. Später auch in der „Kleinen Freiheit” in München. Und eigentlich überall an den Stätten seiner Wanderschaft während seiner Engagements auf den großen deutschsprachigen Bühnen: Er spielte bei Piscator in Berlin, bei Kortner in München, bei Zadek und Gobert in Hamburg. Brettl-Fans begeisterte er aber weiterhin mit eigenen Programmen wie „Wie wirst du aussehen, wenn du tot bist”, „Geh zu den Gauklern” oder „Die Wiener Mischung”. Und er entzückte das Fernsehpublikum in Serien von „Die Guldenburgs” über „Jakob und Adele” und „Spaß mit Ernst” bis zum „Traumschiff”.

Schon 1977 zog es ihn, auch aus privaten Gründen, wieder zurück nach Wien, aber künstlerisch Fuß gefaßt hat er, trotz Rückkehr an die Burg und ans Volkstheater, eigentlich nicht mehr so richtig. Zwar waren und wurden zahlreiche Wiener Bühnen wieder seine Heimat, wie etwa auch das Theater an der Wien, wo er in „Irma La Douce” brillierte. Und natürlich auch Schauplätze der Soloprogramme des „Meisters der feinen Pointe”, aber manche Wunsche von damals erfüllten sich nicht. So meinte er anno dazumal: „Mein Sprungbrett war die Josefstadt. Ich habe mir immer gewünscht, daß sich eines Tages der Kreis meiner Laufbahn in Wien wieder schließen möge.” So ist er ein Wanderer, ein Theater-Vagabund ge- blieben, der stets versuchte, „die Leute nicht ganz anspruchslos zu unterhalten”.
Er könnte es ja so leicht haben, der Ernst Stankovski”, meinte einmal Gerhard Bronner. „Genauso leicht wie alle anderen guten Schauspieler - wenn nicht noch leichter. Er müßte nur einige klassische Standardrollen auswendig lernen - oder er müßte sich damit zufrieden geben, beim Fernsehen als charmanter Wiener alt zu werden... Aber er will mehr als nur Erfolg haben und zu Geld kommen. Er will seinem Publikum etwas sagen.” Und das tut er nach wie vor: Sich selbst auf der Gitarre begleitend, ohne Geltungsbedürfnis, mit eigenen Liedern und Chansons, Pointen und Theorien über das Dasein, über die großen und kleinen Dinge des Lebens, über die Welt.

Stankovski, ausgezeichnet mit dem Deutschen Kleinkunstpreis 1975 und mit dem Goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien, ist Theatermann mit Leib und Seele - und ein Künstler, der vieles kann. So kennt man den Bücherliebhaber, Musikkenner und Sammler von Graphiken auch als exzellenten Übersetzer französischer Theaterliteratur. Nachgedichtet, vertont, gespielt und gesungen hat er eine der berühmtesten Abrechnungen mit der Gesellschaft des 15. Jahrhunderts, François Villons „Das große Testament”, mit dem er seit Jahren größten Erfolg hat. Da schlüpfte er immer wieder nicht nur in die Rolle des „nach Wollust gierenden und sozialkritischen” Vaganten. Er lebte ihn: „Mit totalem Einsatz und wutentbrannt” malte er ein ebenso packendes wie erschreckendes und ewig gültiges Sittenbild. Vom Februar bis Juni 2003 hat er sich auf einer Deutschland-Tournee von dieser Lebensrolle verabschiedet - von Hamburg bis Düsseldorf!

An das Aufhören denkt er allerdings nicht: Nach dem Erfolg als Molieres „Eingebildeter Kranker” bei den Theatertagen Bad Kissingen plant er weitere Abende unter dem Motto: „Keine Spur von Literatur”, andere Theater- und Kabarettabende. Dass er immer mal wieder neue CDs veröffentlicht, die einen guten akustischen Überblick über sein Gesamtschaffen geben, rundet seine Kunst vorbildlich ab.
Thomas Gabler

Auftritte von Ernst Stankovski
sind zu buchen über
EPRO Entertainment, Stockerauer Str. 9, A 2000 Stockau
Telefon + 43 (0) -699-13390001, Fax: +43 (0) -820-555859953
e-Post: maynau@epro-entertainment.at; Internet: www.epro-entertainment.a
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