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Stimmen zu Georg Kreisler / Barbara Peters | weiter | zurück


Eine Oper ist eine Oper ist eine Oper...
ist eine Revolution...
Wie zu erwarten ist "Der Aufstand der Schmetterlinge" ein übermütiges Spiel mit den Zutaten aus der Kreislerschen Trickkiste. Genial spannt Kreisler den Bogen zwischen den Genres, kehrt einmal den an der Moderne orientierten Opernkomponisten, dann wieder den Entertainer hervor, legt eine manchmal schwer einhörbare, dann wieder vordergründig einfache Partitur vor. Ungeniert zitiert er nach Bedarf sich selbst und andere, wobei er es besonders auf Wagner und Verdi abgesehen hat, streut einen Tango ein und verknüpft alles zu einer eigenständigen, bunten musikalischen Sprache.
Kreislers Opernerstling hat Nummernform mit durchkomponierten Teilen, der dramaturgische Ablauf wird von Gesangssoli unterbrochen, deren Sujet vom kabarettartigen Song bis zur großen Opernarie reicht.
Die sechs Protagonistensoli sind gerecht vom Koloratursopran bis zum Baß verteilt, die Namen der Akteure ganz einfach von A bis F vergeben, Handlung und Schauplätze leicht nachvollziehbar.
6021Das Instrumentarium ist traditionell, die Besetzung ausgeglichen klassisch, vergleichbar etwa einer SchubertSymphonie. (Dirigent: Alexander Drcar, Bild) Die musikalische Struktur ist freitonal und funktionsunabhängig, teils ein Konstrukt ausgeklügelter Harmonien, häufiger das Ergebnis intuitiv entstandener klanglicher Assoziationen. Vorgabe ist immer der Text.

Wie in seinen Liedern erweist sich Kreisler im "Aufstand der Schmetterlinge" als Meister der Modulation, wobei ihm der kürzeste Weg der beste zu sein scheint.
Unprätentiös und spielerisch kokettiert er gelegentlich mit leitmotivischen und programmatischen Deutungen, übertreibt den Einsatz der Mittel aber, wo es ihm um komische Wirkungen geht.
Der Meister des Schwarzen Humors spart auch in der Oper nicht mit skurrilen Effekten, wobei er nach Belieben einmal den Wortduktus gegen die Musik setzt, dann wieder Szene und Text oder Musik und Szene konterkariert.
Kreisiers musikalischer Humor ist auch hier eine singuläre Erscheinung. Er entzieht sich jedem Versuch einer Systematisierung. Viele der typisch Kreislerschen Topoi kehren im "Aufstand der Schmetterlinge" wieder: die Schwarzen, Särge, das Lebendig-tot-Sein, die Haßliebe zu Wien - Metaphern, die für sterbende Werte und verlorengegangene Ideale stehen.
Das bekannte Vokabular aber hat eine Bereicherung erfahren. Die Schmetterlinge erheben sich über die sich breit machende Ignoranz und Lähmung. Sie haben das Raupenstadium hinter sich gelassen und sich gewandelt. Sie sind zu Wesen geworden, die den Stumpfsinn der Erde überwunden und dem Kriechertum den Aufstand angesagt haben. Ein Aufstand, der sich nicht durch gewaltvolle Gegenwehr auszeichnet, sondern durch innere Heimkehr.


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