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Stimmen
zu
Georg
Kreisler / Barbara Peters
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Kritiken
zur Opernpremiere in Wien...
Vorgestellt
werden die Wertungen von
Gute
Unterhaltung!
(Rheinische Post)
Wenn ein weithin anerkannter Giftträufler. Pointenwart
und Tiefgründler wie Georg Kreisler eine "satirische
Oper" vorlegt, ist Vorsicht geboten. Es gibt in diesem Sujet
nur einen Vorläufer - Leos Janaceks "Ausflüge des
Herrn Broucek". Wunderliche Parallelen: Kreislers Oper
heißt ..Der Aufstand der Schmetterlinge", Broucek
bedeutet "Käferchen". Beide Werke beschreiben
aberwitzige Lebenskurven (bei Kreisler groteske, bei
Janäcek verbierrauschte). Janacek landet
zwischendurch auf dem Mond, Kreisler in Afrika. Am Ende
läuft alles ins Leere, bleibt das Leben, wie es ist.
Und still brütet der Mensch - bis in
k.-u.-k.-Ewigkeit.
Obacht vor Kreislers Erstling, der soeben in den Wiener
Sofiensälen uraufgeführt wurde! Er ist
vorzüglich, vor allem, weil er jeden Teppich unter den
Füßen wegzieht, auf dem man es sich soeben bequem
gemacht hat. Auf den Lachkoller folgt die
kunstphilosophische Generaldebatte, auf reinen Slapstick die
Traumsequenz. Fortwährend foppt Kreisler jede Logik der
Dramaturgie, stellt er Fallen, spinnt er Netze. Manchmal
gefriert das Lachen zu Eis, dann taut es als Träne aus
dem Äuglein wieder auf.
Die Story, von Kreisler selber in seine ältliche
Schreibmaschine geklopft: Als Ergebnis einiger schräger
und noch schräger misslingender Tötungsversuche
wollen zwei Künstler eine Oper über den "Aufstand
der Schmetterlinge", der kleinen Leute, schreiben. Vor der
Polizei fliehen die beiden mit drei Mädels nach Afrika,
wo sie den schwarzen Maler Felix treffen. der
ausschließlich tiefschwarze Bilder malt. Wegen einer
Revolution müssen sich alle Weißen tot stellen
und in Särge legen. Die Damen verduften klammheimlich.
Am Ende befindet sich das Sextett im Altersheim, wo
Komponist Daniel nach zahllosen Absagen eine Offerte zur
Uraufführung seiner Oper bekommt - von der Met.
Bedingung: Der Komponist muss tot sein. Er schluckt eine
Zyankalikapsel, bleibt aber am Leben.
Wie vertont man den Unfug als solchen? Von Kreisler, dem
mittlerweile 78-Jährigen, weiß jeder, dass er ein
glänzender Pianist ist. Dass er nach seiner Emigration
in Los Angeles Musik studierte, weiß kaum einer. Er
kennt sich jedenfalls aus in Partituren und Stilen, was ihn
zu heiterem Jonglieren befähigt. "Der Aufstand der
Schmetterlinge" pendelt vom Zwölftonfeld zur Blasmusi,
vom Chanson zu offenbachischer Schärfe, vom luftigen
Satz zu spätromantischem Dickicht. Alles klingt
plastisch, vielfarbig und ein bisschen defekt. Fast ein
Hundertwasser-Haus aus Tönen. Nie trödelt Kreisler
herum, immer haut er auf den Lukas. Aber er kann dabei ganz
leise sein.
Das Satirische steckt fraglos im absurd unsystematischen,
gewollt unprofessionellen Umgang mit dem kanonisierten
Prinzips des Verlaufs, nicht so sehr in Kreislers
untergründig bohrender, ironischer Verkasperung der
Kleingeistigkeit. Es steckt viel Ionesco, Pirandello und
Chaplin in solcher theatralischen Gesinnung. Bisweilen
purzeln Kreislers schöne Reime etwas den Abhang in die
Unverständlichkeit hinunter, wenn sich darüber
fette Bläserchorale erheben. Doch weiß sich der
Konsument trotz einiger Inspirationslöcher bestens
unterhalten, nimmt er schier wehen Anteil an diesen
skurrilen Gestalten.
Die Aufführung, zu welcher der in Basel lebende, von
Wien stets etwas schwierig behandelte Kreisler mit dem
fidelen Gefühl der Erlöstheit gereist war, ging
reibungslos und saukomisch vonstatten. Michael Scheidl und
seine Ausstatterin Nora Scheidl zimmerten eine windschiefe
Bühne in die plüschige Schäbigkeit des Saals,
auf der die Sing- und Spielartisten dermaßen tapfer
und hingebungsvoll wirkten, dass sie nie in Gefahr standen,
über den Blödsinn, den sie treiben, auch noch zu
lachen.
Natürlich hatten die vokalen Darbietungen nicht unbedingt das erzene Niveau eines Staatsopern-Abends, in welcher man sich den "Aufstand der Schmetterlinge" freilich auch nicht vorstellen möchte. Freilich empfahlen sich Anna Maria Pammer als girrendes Soubretten-Blondchen, Bea Robein als lebensdralle Camilla und Andrew Murphy als bedächtiger Schriftsteller Erik für erhabenere Gesangsaufgaben. Die Wiener Kammerphilharmonie unter Alexander Drcar, eine blutjunge Bande aus lauter Könnern, begleitete mit Pfiff und Attacke. Hinterher fetter, langer Beifall, vor allem für Kreisler. Es war wie die verspätete Heimholung eines verlorenen Sohns. // WOLFRAM GOERTZ (zur
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Anspielungsreiche
Oper in der Oper (Leipziger
Volkszeitung)
Kreislers Opernerstling "Der Aufstand der
Schmetterlinge" wurde in Wien uraufgeführt
Der Komponist Daniel Wolke hat eine Oper namens
"Aufstand der Schmetterlinge" geschrieben. Das war vor
vielen Jahren, die großen Häuser haben das Werk
abgelehnt und mit all seinen Weggefährten aus jener
Zeit lebt Daniel nun im Altersheim. Doch nicht einmal dort
glückt der Versuch einer Laienaufführung. Denn der
für die Partie des feurigen Liebhabers vorgesehene
Krüppel kann nur "Aida" singen.
Da taucht ein 30 Jahre alter, versehentlich nie
geöffneter Brief der Met in New York auf: Man sei vom
"Aufstand" außerordentlich begeistert, die Tradition
des Hauses lasse aber nur Werke toter Komponisten zu. Daniel
möge dafür Verständnis aufbringen - es sei ja
"nur eine Frage der Zeit". Nach seinem Ableben könnten
die Proben unverzüglich beginnen. Eine kurze Mitteilung
reiche völlig aus.
Eine Oper in der Oper also. Denn der Opernerstling von Georg
Kreisler heißt ebenfalls "Der Aufstand der
Schmetterlinge" und wurde zur wieder beginnenden
Faschings-Saison in den Wiener Sofiensälen, sonst
Stätte rauschender Ballfeste, uraufgeführt. Der
mittlerweile 78-jährige Kreisler, war einer der ganz
Großen der Wiener Kabarettszene in den 50er und 60er
Jahren, als er etwa mit Helmut Qualtinger auf der Bühne
stand und sich mit aberwitzigen Liedtexten, die er selbst am
Flügel vortrug, ein Markenzeichen schuf. Heute lebt er
als Komponist und Romanschriftsteller im schweizerischen
Basel. In seiner Heimatstadt Wien hat Kreisler nur selten
einen Auftritt. Umso frenetischer war der Jubel des
Uraufführungspublikums.
"Der Aufstand der Schmetterlinge" ist eine skurrile
Geschichte um einen Komponisten (gesungen von Andreas
Jäggi), einen Schriftsteller (Andrew
Murphy), einen Maler (Joseph Garcia) und drei
Frauen (Anna Maria Pammer, Priri Coles und Bea
Robein). Da stehen Erschossene wieder auf, ein rotes
Sofa verwandelt sich unversehens in eine Flugzeugkabine. In
Afrika bricht eine Revolution aus, zwei alte Männer
tanzen Tango und die arme Barbara fällt wie vom Donner
gerührt tot um (eine der erwähnten drei
Frauen), als sie das Wort »Wien«
hört.
Kreisler, der sowohl die Musik als auch das Libretto
geschrieben hat, teilt reichlich satirische Seitenhiebe der
zeitlosen Art aus, zitiert sich gerne selbst (zum Beispiel
aus den "Seltsamen Gesängen"), schrickt aber auch vor
Verdi nicht zurück. Die Musik erinnert insgesamt ein
wenig an Kurt Weill - ein moderner Stilmix mit eingestreuten
Songs und Tänzen.
Eine der freien Wiener Operngruppen hat sich dieser
Uraufführung angenommen: die Kompagnie "NetZZeit" mit
ihrem musikalischen Leiter, dem Dirigenten Alexander Droar,
der die Wiener Kammerphilharmonie mit viel Tempo durch die
gekonnt gearbeitete Partitur führte und für einen
rundum tadellosen Zusammenklang mit den ausgezeichneten
Bühnenakteuren sorgt. Mit bescheidenen Mitteln
überaus witzig und fantasievoll inszeniert haben
Michael und Nora Scheidl - ebenfalls zwei bewährter
Mitarbeiter des NetZZeit-Teams.
Der bei der Uraufführung anwesende Georg Kreisler wurde
von seinen ungezählten Wiener Fans mit stehenden
Ovationen gefeiert. Vorher wie hinterher. Seine vitale
Kreativität ist auch im fortgeschrittenen Alter
ungebrochen. Und man wünscht sich, dass der greise
Meister noch Inspiration und Kraft für weitere Opern
findet. / Harald Steiner, Leipziger
Volkszeitung (zur
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Des
Frohsinns böse
Trickkiste
(Kurier)
Sie sind schrill. Sie sind bunt. Sie sind Künstler. Und
sie leben ihren Traum. Den Traum der großen Oper, des
ewigen Ruhms, der weltweiten Verehrung. Doch das so triste
Zauberwort heißt "Abgelehnt!", denn nur ein toter
Komponist wird oft gespielt. Es ist eine satirische
Abrechnung mit dem Kunstbetrieb und Europa, die Georg
Kreisler in seiner ersten Oper "Der Aufstand der
Schmetterlinge" im Sinn hat. Nichts und niemand wird bei
diesem bissigen Rundumschlag verschont. Eine
kabarettistische Nummernrevue, die in den Sofiensalen
kurzweilige Unterhaltung garantiert.
Ein Kompliment vorweg: Die engagierte Operngruppe "NetZZeit"
hat die Uraufführung von Kreislers Bühnenwerk
für Wien an Land gezogen und mit Mut zum Risiko eine
insgesamt sehr stimmige Produktion auf die Bühne
gestellt. Kreislers böser, teils auch abgeklärter
Witz - der Komponist zeichnet auch für das Libretto
verantwortlich - kommt in Michael Scheidls Regie gut zur
Geltung. Denn die Welt und ihre Ideale sind hier langst in
eine Schieflage (überaus treffend Bühnenbild
und Kostüme von Nora Scheidl) geraten. Auf einer
schiefen Ebene wird somit viel geliebt, geschossen,
emigriert und persifliert. Die stereotypen Figuren leben,
sterben und kehren als Untote, als mahnendes Gewissen
wieder.
Und musikalisch greift Georg Kreisler tief in die
Trickkiste: Eine Mixtur aus Broadway-Rhythmen,
Walzerseligkeit, Schlagerkitsch, Chansons, großer Oper
und seriellen Einschüben illustriert je nach Bedarf
humane Befindlichkeiten. Treffsicher parodiert und zitiert
Kreisler die Musikgeschichte, blödelt mit Mozart, Verdi
oder dem hehren Wagner. So artikuliert sich das naive
Blondchen mit köstlich sinnlosen Koloraturen; so laufen
die künstlerisch Tätigen vokal zu pathetischer
Hochform auf.
Die Wiener Kammerphilharmonie und Dirigent Alexander Drear
sind für Kreislers Melodien die perfekten Anwälte
und tragen auch das Ensemble sicher durch alle orchestralen
Fluten. Die Herren Andreas Jäggi und Andrew Murphy
geben hier den Ton an, verfügen über eine Stimme
und sind zudem immer wortdeutlich. Anna Maria Pammer, Priti
Coles und Bea Robein bedürfen der eingeblendeten
Übertitel (!) allzu sehr - der physisch präsente
Joseph Garcia darf die Gesangskunst ruhig noch einmal (und
ausgiebig) erlernen.
Fazit: Georg Kreislers oft surreale Ideen zünden und
lassen auf viele weitere Werke hoffen. // Peter
Jarolin (zur
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Georg
Kreislers Schmetterlingsrevolte in der
Wanzenburg
(Standard)
Zunächst hat die Ankündigung, der Taubenvergifter
vom Dienst, Georg Kreisler, habe eine Oper geschrieben, - um
eines seiner Bonmots zu plagiieren - eigentlich das
Schlimmste hoffen lassen.
Nun, nach der Uraufführung seines Aufstandes der
Schmetterlinge, lässt sein schüchternes
Geständnis, er habe noch zwei weitere in der Lade,
eigentlich das beste befürchten. Zumal das Ensemble
NeTZZeit in den immer mehr und mehr zur desolaten Wanzenburg
verlotternden Sofiensälen eine schwungvolle Produktion
auf die schiefe Bühnenebene gebracht hat.
Auf einer solchen schiefen Bahn scheint Kreisler schon seit
längerem künstlerisch in seine frühen Jahre
zurückzukollern, in denen er in Hollywood nolens volens
als Dirigent und Arrangeur tätig war. Denn mit seinem
Erstling hat er eine Partitur abgeliefert, deren
Professionalität allen Respekt verdient und
überdies noch den Vorzug hat, ein absurd witziges
Libretto von Georg Kreisler zu besitzen.
Man könnte es als bizarre Variante des Capriccio von
Richard Strauss bezeichnen. Also: Im ersten Akt werden ein
Komponist, an dem zwei Erschießungsversuche durch
eifersüchtige Damen missglücken, und ein Autor,
der selbiges aus dem gleichen Grund ebenso ergebnislos an
seiner Gemahlin versucht, Freunde und beschließen nach
Afrika zu emigrieren, um eine Oper zu schreiben. Dort
entrinnen sie im zweiten Akt nur knapp der Ermordung durch
die revoltierende Urbevölkerung.
Zuletzt landen sie im Altersheim, wo ein Brief der Met
einlangt, in dem sich das ehrwürdige Institut bereit
erklärt, das Werk uraufzuführen. Jedoch nur unter
Bedingung, dass der Komponist schon tot ist. Um diese
Voraussetzung zu erfüllen, schluckt dieser Zyankali,
das sich zum traurigen Happyend als wirkungslos erweist.
Ein allfälliger Verdacht, dieser Aufstand der
Schmetterlinge habe nun also nur zur Strafe, weil Georg
Kreisler noch am Leben ist, in den Sofiensälen und
nicht an der Met stattgefunden, darf jedoch besten Gewissens
zerstreut werden. Kreislers Umgang mit dem Orchester ist in
der Weise, wie er Klangfarben einsetzt und die Stimmen
führt, so schlüssig und flüssig wie
uneinheitlich. Doch so großzügig er sich
stilistisch zeigt, wenn er zwischen Weill, Puccini, Verdi
und Bernstein changiert, so wenig scheint er melodisch in
Geberlaune.
Die vielen Rezitative, Ariosi und Ensembles, die Kreisler
generös zu entwickeln versteht, wecken jedoch meist
erst durch die in den Text verpackten Seitenhiebe auf EU und
Weltwirtschaft das Interesse - " Der Tod ist ein Meister
aus Davos" - "Europa. Ein Boden ohne Fass, ein
Maulkorb ohne Hund. Bequemlichkeit der
Millionäre."
Wenn dann während mancher gefährlicher Längen
im zweiten und dritten Akt auch der Text auslässt, dann
verlieren sich die Klänge des von Alexander Drcar zu
Präzision und Drive getrimmten Orchesters des
öfteren funktionslos im Plüsch.
Und das mit Anna Maria Prammer, Priti Coles, Bea Robein,
Andreas Jäggi und Andrew Murphy gut gewählte
Ensemble ist in Nora Scheidls poppigem Ambiente allein auf
Michael Scheidls Inszenierung angewiesen. Sie sorgt für
klare und verständliche Abläufe, meidet
Geschmacklosigkeiten und findet zu einem eindrucksvollen
Schlussbild, nach dem die Mitwirkenden und vor allem
Kreisler herzlich gefeiert wurden. // Peter Vufica
(zur
Übersicht)
Warmherzige
Reaktionen
(Wiener Zeitung)
Georg Kreislers Oper "Der Aufstand der Schmetterlinge"
ist Samstagabend in den Wiener Sophiensälen
uraufgeführt worden.
Die erste Oper des 78-jährigen Komponisten, der der
Aufführung beiwohnte, stieß auf warmherzige,
teilweise begeisterte Reaktionen des Publikums. Wahre
Kreisler-Fans werden enttäuscht sein, mit musikalischen
Kuriositäten à la "Taubenvergiften im Park" hat
das Werk außer seinem vielfach ins Absurde gehenden
schwarzen Humor nichts zu tun.
Störend an dem recht unterhaltsamen Abend war
eigentlich nur zweierlei: Die Bezeichnung Oper für das
Stück und das geradezu trostlose Ambiente der
verwahrlosten Sophiensäle. Mitten im großen Saal
steht eine schiefe Ebene als Bühne, ein rotes Sofa, ein
weißer Kühlschrank und ein Haustierkäfig als
Interieur einer angedeuteten Wohnung. Das Bühnenbild
erweist sich als Projektionsfläche, das im Laufe des
Stücks mit verschiedenen Sujets illuminiert wird.
Die skurrile, immer wieder ins Absurde abschweifende
Handlung ist schnell erzählt: Nach einem dynamischen
ersten Akt, wo einander die Protagonisten auf der Bühne
wechselseitig erschießen, um kurz darauf wieder
aufzustehen, weil sie verfehlt wurden, beschließen ein
Schriftsteller und ein Komponist eine Oper, eben "Der
Aufstand der Schmetterlinge", zu schreiben und zwecks
besserer Konzentration nach Afrika auszuwandern. In Afrika
(2. Akt) schreiben die beiden Herren an einer Oper und
werden von ihren Freundinnen ausgehalten. Im Altersheim (3.
Akt) sind wieder alle beisammen, die Oper ist seit 30 Jahren
fertig, niemand will sie spielen - "auch die Wiener
Staatsoper hat sie abgelehnt". Plötzlich wird bei
Daniel, dem Komponisten, ein Brief von der Metropolitan
Opera entdeckt, deren Direktor sich begeistert von dem Werk
zeigt. Er will die Oper aufführen, jedoch - der
Tradition des Hauses entsprechend - erst nach dem Ableben
des Komponisten. Daniel schluckt daraufhin trotz Protestes
seiner Freunde eine Zyankalikapsel.
Der Text wird mittels Projektoren an der Bühnenkante
eingespielt - was leider notwendig ist, weil die Sänger
großteils nicht in der Lage sind, ihre Stimmen im
weitläufigen Saal zur Geltung zu bringen und mitunter
vom Orchester der Wiener Kammerphilharmonie völlig
zugedeckt werden. Beim schwarzen Humor Kreislers, wiederholt
pointiert zum Einsatz gebracht, bleibt einem oftmals der
Lacher gefrierend im Halse stecken.
Musikalisch bleibt Kreisler, der seinen Stil völlig
umgekrempelt hat, jedoch einiges schuldig. Zwar kann einem
78-jährigen nicht genug Bewunderung entgegengebracht
werden, wenn er sein gesamtes musikalisches Sein über
Bord wirft und völlig neue Wege beschreitet, aber die
kompositorischen Grenzen sind leider deutlich zu hören:
Auf intime Pianostellen verzichtet Kreisler fast ebenso
durchgängig wie auf Duettpassagen und setzt allzu oft
auf Sprechgesang.
Dem Publikum jedenfalls scheint es gefallen zu haben. Die
Hauptdarsteller - Anna Maria Pammer, Priti Coles, Bea
Robein, Andreas Jäggi, Andrew Murphy und Josef Garcia -
wurden ebenso beklatscht wie der musikalische Leiter
Alexander Drcar. // Andreas Zenker
(zur
Übersicht)
Die
Kleinkunst der Oper: Pointen-Revue mit
Musik
(Die Presse)
Georg Kreisler will nichts mehr von Kleinkunst wissen und
wandte sich als betagter Mann der großen Form der Oper
zu. Um die breite Kluft des Genrewechsels zu verkleinern,
hat er seinem Opern-Erstling vorsichtshalber das Attribut
"satirisch" vorangestellt und darf deshalb in einer eigenen
Musiktheater-Liga spielen.
Eine Oper im landläufigen Sinn ist Kreislers "Aufstand
der Schmetterlinge" nicht. Es wird zwar eifrig gesungen und
gespielt. Die hohe Pointen-Dichte, die keine
hintergründige Handlung vertieft, sondern lediglich dem
Selbstzweck genügen will, lässt das
Bühnenwerk jedoch zur kabarettistischen Nummernrevue
verkommen.
Die Handlung ist versponnen: Die kurzsichtige Barbara will
ihren Mann mit seiner Geliebten ertappt haben und feuert
einen Schuss auf diesen ab. Doch schon bald stellt sich
heraus, dass sie auf ein fremdes Paar gezielt hat. Anna, die
vermeintliche Witwe, nimmt ihr das nicht weiter übel
und freundet sich schnell mit der Täterin an.
Plötzlich steht der Komponist Daniel, der während
des Schusses wie ein Sack zu Boden gefallen war, wieder
auf-. Barbara hat daneben geschossen. Barbara und Daniel
freunden sich schnell auf offener Bühne an. Jetzt ist
es Anna, die eifersüchtig wird und auf Daniel
schießt - doch auch sie verfehlt ihr Ziel.
Schließlich ist da noch der Dichter Erik, der sich
sicher wähnt, seine Frau Camilla erschossen zu haben,
weil er nicht weiß, dass er mit Platzpatronen
geschossen hat, Der Rest muss im Zeitraffer erzählt
werden: Erik und Daniel fahren mit weiblichem Anhang nach
Afrika und schreiben dort die Oper der "Aufstand der
Schmetterlinge".
Dreißig Jahre später finden sie sich im
Altersheim wieder und bekommen einen Brief aus New York, in
dem die Metropolitan Opera Interesse an ihrem Stück
bekundet. Die einzige Voraussetzung: Das Werk kann erst
gespielt werden, wenn der Komponist tot ist. Daniel will
seinem Lebenswerk nicht im Wege stehen und nimmt sich das
Leben.
Die freitonale Musik Kreislers steht dem Text an Pointen um
nichts nach. Geschickt weiß er sich der symphonischen
Instrumente im Orchestergraben zu bedienen und geizt nicht
mit musikalischer Situationskomik. Dass dabei so manche
musikalische Wendung analog zum Libretto zur Plattitüde
verkommen ist, darf nicht unerwähnt bleiben.
Michael Scheidl hat das Stück als Pop-Oper im grellen
Siebziger-Jahre-Look inszeniert: etwas überdreht und
kitschig, aber stets im Einklang mit den Intentionen des
Autors. Alexander Drcar setzte die aufgelegten Gags
Kreislers mit der Wiener Kammerphilharmonie souverän
um. Die Sängerschar (Anna Maria Pammer, Priti Coles,
Bea Robein, Andreas Jaggi, Andrew Murphy und Joseph
Garcia) hatte hörbar Spaß am "Aufstand der
Schmetterlinge". Was es mit diesem Titel konkret auf sich
hat, blieb bei der Uraufführung ein Geheimnis.
Insgesamt hat Georg Kreisler ein durchwegs launiges
Stück Musiktheater gefertigt. Das Ansinnen, sein Leben
als Kabarettist hinter sich zu lassen, ist ihm mit dieser
prallen Pointen-Revue jedoch nicht gelungen. // MARKUS
SIBER (zur
Übersicht)
Kronenzeitung
SOFIENSÄLE:
Gehörte Georg Kreisler einst zum Allerbesten der
Kleinkunstszene, so liegt das für ihn "in der
Vergangenheit". Kreisler offeriert nun mit Orchester eine
satirische Oper-. "Der Aufstand der Schmetterlinge"! Die
bewegte Geschichte eines Komponisten und seines
Librettisten, die mit ihrer Oper um die Welt ziehen und
darüber alt werden. Unterhaltungstheater! Keines der
bissigen Werke Kreislers, doch das Spiel mit Tönen und
Untertönen gefällt. Breitseitenweise spielt er
Klischees aus und sorgt für Skurrilität. Mit einem
symphonisch besetzten Orchester bietet er unterhaltsame
Klangmixturen mit Zitaten und Stimmungsspielereien.
Dirigent Alexander Drcar verwirklicht das alles. Hätte
seine glückliche Hand sich auch der Regie angenommen!
Michael Scheidl bietet der Oper leider nicht das Ambiente,
das sie verdiente. Kreislers Witz umzusetzen hätte mehr
Phantasie verdient. Solide die Sänger Anna Maria
Pammer, Priti Coes, Bea Robein, die Herren Jäggi,
Murphy, Garcia. / gL (zur
Übersicht)
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