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Stimmen zu Georg Kreisler / Barbara Peters | weiter | zurück


Kritiken zur Opernpremiere in Wien...
Vorgestellt werden die Wertungen von

Gute Unterhaltung! (Rheinische Post)
Wenn ein weithin anerkannter Giftträufler. Pointenwart und Tiefgründler wie Georg Kreisler eine "satirische Oper" vorlegt, ist Vorsicht geboten. Es gibt in diesem Sujet nur einen Vorläufer - Leos Janaceks "Ausflüge des Herrn Broucek". Wunderliche Parallelen: Kreislers Oper heißt ..Der Aufstand der Schmetterlinge", Broucek bedeutet "Käferchen". Beide Werke beschreiben aberwitzige Lebenskurven (bei Kreisler groteske, bei Janäcek verbierrauschte). Janacek landet zwischendurch auf dem Mond, Kreisler in Afrika. Am Ende läuft alles ins Leere, bleibt das Leben, wie es ist. Und still brütet der Mensch - bis in k.-u.-k.-Ewigkeit.

Obacht vor Kreislers Erstling, der soeben in den Wiener Sofiensälen uraufgeführt wurde! Er ist vorzüglich, vor allem, weil er jeden Teppich unter den Füßen wegzieht, auf dem man es sich soeben bequem gemacht hat. Auf den Lachkoller folgt die kunstphilosophische Generaldebatte, auf reinen Slapstick die Traumsequenz. Fortwährend foppt Kreisler jede Logik der Dramaturgie, stellt er Fallen, spinnt er Netze. Manchmal gefriert das Lachen zu Eis, dann taut es als Träne aus dem Äuglein wieder auf.

Die Story, von Kreisler selber in seine ältliche Schreibmaschine geklopft: Als Ergebnis einiger schräger und noch schräger misslingender Tötungsversuche wollen zwei Künstler eine Oper über den "Aufstand der Schmetterlinge", der kleinen Leute, schreiben. Vor der Polizei fliehen die beiden mit drei Mädels nach Afrika, wo sie den schwarzen Maler Felix treffen. der ausschließlich tiefschwarze Bilder malt. Wegen einer Revolution müssen sich alle Weißen tot stellen und in Särge legen. Die Damen verduften klammheimlich. Am Ende befindet sich das Sextett im Altersheim, wo Komponist Daniel nach zahllosen Absagen eine Offerte zur Uraufführung seiner Oper bekommt - von der Met. Bedingung: Der Komponist muss tot sein. Er schluckt eine Zyankalikapsel, bleibt aber am Leben.

Wie vertont man den Unfug als solchen? Von Kreisler, dem mittlerweile 78-Jährigen, weiß jeder, dass er ein glänzender Pianist ist. Dass er nach seiner Emigration in Los Angeles Musik studierte, weiß kaum einer. Er kennt sich jedenfalls aus in Partituren und Stilen, was ihn zu heiterem Jonglieren befähigt. "Der Aufstand der Schmetterlinge" pendelt vom Zwölftonfeld zur Blasmusi, vom Chanson zu offenbachischer Schärfe, vom luftigen Satz zu spätromantischem Dickicht. Alles klingt plastisch, vielfarbig und ein bisschen defekt. Fast ein Hundertwasser-Haus aus Tönen. Nie trödelt Kreisler herum, immer haut er auf den Lukas. Aber er kann dabei ganz leise sein.

Das Satirische steckt fraglos im absurd unsystematischen, gewollt unprofessionellen Umgang mit dem kanonisierten Prinzips des Verlaufs, nicht so sehr in Kreislers untergründig bohrender, ironischer Verkasperung der Kleingeistigkeit. Es steckt viel Ionesco, Pirandello und Chaplin in solcher theatralischen Gesinnung. Bisweilen purzeln Kreislers schöne Reime etwas den Abhang in die Unverständlichkeit hinunter, wenn sich darüber fette Bläserchorale erheben. Doch weiß sich der Konsument trotz einiger Inspirationslöcher bestens unterhalten, nimmt er schier wehen Anteil an diesen skurrilen Gestalten.

Die Aufführung, zu welcher der in Basel lebende, von Wien stets etwas schwierig behandelte Kreisler mit dem fidelen Gefühl der Erlöstheit gereist war, ging reibungslos und saukomisch vonstatten. Michael Scheidl und seine Ausstatterin Nora Scheidl zimmerten eine windschiefe Bühne in die plüschige Schäbigkeit des Saals, auf der die Sing- und Spielartisten dermaßen tapfer und hingebungsvoll wirkten, dass sie nie in Gefahr standen, über den Blödsinn, den sie treiben, auch noch zu lachen.

Natürlich hatten die vokalen Darbietungen nicht unbedingt das erzene Niveau eines Staatsopern-Abends, in welcher man sich den "Aufstand der Schmetterlinge" freilich auch nicht vorstellen möchte. Freilich empfahlen sich Anna Maria Pammer als girrendes Soubretten-Blondchen, Bea Robein als lebensdralle Camilla und Andrew Murphy als bedächtiger Schriftsteller Erik für erhabenere Gesangsaufgaben. Die Wiener Kammerphilharmonie unter Alexander Drcar, eine blutjunge Bande aus lauter Könnern, begleitete mit Pfiff und Attacke. Hinterher fetter, langer Beifall, vor allem für Kreisler. Es war wie die verspätete Heimholung eines verlorenen Sohns. // WOLFRAM GOERTZ (
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Anspielungsreiche Oper in der Oper (Leipziger Volkszeitung)
Kreislers Opernerstling "Der Aufstand der Schmetterlinge" wurde in Wien uraufgeführt

Der Komponist Daniel Wolke hat eine Oper namens "Aufstand der Schmetterlinge" geschrieben. Das war vor vielen Jahren, die großen Häuser haben das Werk abgelehnt und mit all seinen Weggefährten aus jener Zeit lebt Daniel nun im Altersheim. Doch nicht einmal dort glückt der Versuch einer Laienaufführung. Denn der für die Partie des feurigen Liebhabers vorgesehene Krüppel kann nur "Aida" singen.
Da taucht ein 30 Jahre alter, versehentlich nie geöffneter Brief der Met in New York auf: Man sei vom "Aufstand" außerordentlich begeistert, die Tradition des Hauses lasse aber nur Werke toter Komponisten zu. Daniel möge dafür Verständnis aufbringen - es sei ja "nur eine Frage der Zeit". Nach seinem Ableben könnten die Proben unverzüglich beginnen. Eine kurze Mitteilung reiche völlig aus.

Eine Oper in der Oper also. Denn der Opernerstling von Georg Kreisler heißt ebenfalls "Der Aufstand der Schmetterlinge" und wurde zur wieder beginnenden Faschings-Saison in den Wiener Sofiensälen, sonst Stätte rauschender Ballfeste, uraufgeführt. Der mittlerweile 78-jährige Kreisler, war einer der ganz Großen der Wiener Kabarettszene in den 50er und 60er Jahren, als er etwa mit Helmut Qualtinger auf der Bühne stand und sich mit aberwitzigen Liedtexten, die er selbst am Flügel vortrug, ein Markenzeichen schuf. Heute lebt er als Komponist und Romanschriftsteller im schweizerischen Basel. In seiner Heimatstadt Wien hat Kreisler nur selten einen Auftritt. Umso frenetischer war der Jubel des Uraufführungspublikums.

"Der Aufstand der Schmetterlinge" ist eine skurrile Geschichte um einen Komponisten (gesungen von Andreas Jäggi), einen Schriftsteller (Andrew Murphy), einen Maler (Joseph Garcia) und drei Frauen (Anna Maria Pammer, Priri Coles und Bea Robein). Da stehen Erschossene wieder auf, ein rotes Sofa verwandelt sich unversehens in eine Flugzeugkabine. In Afrika bricht eine Revolution aus, zwei alte Männer tanzen Tango und die arme Barbara fällt wie vom Donner gerührt tot um (eine der erwähnten drei Frauen), als sie das Wort »Wien« hört.

Kreisler, der sowohl die Musik als auch das Libretto geschrieben hat, teilt reichlich satirische Seitenhiebe der zeitlosen Art aus, zitiert sich gerne selbst (zum Beispiel aus den "Seltsamen Gesängen"), schrickt aber auch vor Verdi nicht zurück. Die Musik erinnert insgesamt ein wenig an Kurt Weill - ein moderner Stilmix mit eingestreuten Songs und Tänzen.

Eine der freien Wiener Operngruppen hat sich dieser Uraufführung angenommen: die Kompagnie "NetZZeit" mit ihrem musikalischen Leiter, dem Dirigenten Alexander Droar, der die Wiener Kammerphilharmonie mit viel Tempo durch die gekonnt gearbeitete Partitur führte und für einen rundum tadellosen Zusammenklang mit den ausgezeichneten Bühnenakteuren sorgt. Mit bescheidenen Mitteln überaus witzig und fantasievoll inszeniert haben Michael und Nora Scheidl - ebenfalls zwei bewährter Mitarbeiter des NetZZeit-Teams.

Der bei der Uraufführung anwesende Georg Kreisler wurde von seinen ungezählten Wiener Fans mit stehenden Ovationen gefeiert. Vorher wie hinterher. Seine vitale Kreativität ist auch im fortgeschrittenen Alter ungebrochen. Und man wünscht sich, dass der greise Meister noch Inspiration und Kraft für weitere Opern findet. / Harald Steiner, Leipziger Volkszeitung (
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Des Frohsinns böse Trickkiste (Kurier)

Sie sind schrill. Sie sind bunt. Sie sind Künstler. Und sie leben ihren Traum. Den Traum der großen Oper, des ewigen Ruhms, der weltweiten Verehrung. Doch das so triste Zauberwort heißt "Abgelehnt!", denn nur ein toter Komponist wird oft gespielt. Es ist eine satirische Abrechnung mit dem Kunstbetrieb und Europa, die Georg Kreisler in seiner ersten Oper "Der Aufstand der Schmetterlinge" im Sinn hat. Nichts und niemand wird bei diesem bissigen Rundumschlag verschont. Eine kabarettistische Nummernrevue, die in den Sofiensalen kurzweilige Unterhaltung garantiert.

Ein Kompliment vorweg: Die engagierte Operngruppe "NetZZeit" hat die Uraufführung von Kreislers Bühnenwerk für Wien an Land gezogen und mit Mut zum Risiko eine insgesamt sehr stimmige Produktion auf die Bühne gestellt. Kreislers böser, teils auch abgeklärter Witz - der Komponist zeichnet auch für das Libretto verantwortlich - kommt in Michael Scheidls Regie gut zur Geltung. Denn die Welt und ihre Ideale sind hier langst in eine Schieflage (überaus treffend Bühnenbild und Kostüme von Nora Scheidl) geraten. Auf einer schiefen Ebene wird somit viel geliebt, geschossen, emigriert und persifliert. Die stereotypen Figuren leben, sterben und kehren als Untote, als mahnendes Gewissen wieder.

Und musikalisch greift Georg Kreisler tief in die Trickkiste: Eine Mixtur aus Broadway-Rhythmen, Walzerseligkeit, Schlagerkitsch, Chansons, großer Oper und seriellen Einschüben illustriert je nach Bedarf humane Befindlichkeiten. Treffsicher parodiert und zitiert Kreisler die Musikgeschichte, blödelt mit Mozart, Verdi oder dem hehren Wagner. So artikuliert sich das naive Blondchen mit köstlich sinnlosen Koloraturen; so laufen die künstlerisch Tätigen vokal zu pathetischer Hochform auf.

Die Wiener Kammerphilharmonie und Dirigent Alexander Drear sind für Kreislers Melodien die perfekten Anwälte und tragen auch das Ensemble sicher durch alle orchestralen Fluten. Die Herren Andreas Jäggi und Andrew Murphy geben hier den Ton an, verfügen über eine Stimme und sind zudem immer wortdeutlich. Anna Maria Pammer, Priti Coles und Bea Robein bedürfen der eingeblendeten Übertitel (!) allzu sehr - der physisch präsente Joseph Garcia darf die Gesangskunst ruhig noch einmal (und ausgiebig) erlernen.

Fazit: Georg Kreislers oft surreale Ideen zünden und lassen auf viele weitere Werke hoffen. // Peter Jarolin (
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Georg Kreislers Schmetterlingsrevolte in der Wanzenburg (Standard)

Zunächst hat die Ankündigung, der Taubenvergifter vom Dienst, Georg Kreisler, habe eine Oper geschrieben, - um eines seiner Bonmots zu plagiieren - eigentlich das Schlimmste hoffen lassen.
Nun, nach der Uraufführung seines Aufstandes der Schmetterlinge, lässt sein schüchternes Geständnis, er habe noch zwei weitere in der Lade, eigentlich das beste befürchten. Zumal das Ensemble NeTZZeit in den immer mehr und mehr zur desolaten Wanzenburg verlotternden Sofiensälen eine schwungvolle Produktion auf die schiefe Bühnenebene gebracht hat.

Auf einer solchen schiefen Bahn scheint Kreisler schon seit längerem künstlerisch in seine frühen Jahre zurückzukollern, in denen er in Hollywood nolens volens als Dirigent und Arrangeur tätig war. Denn mit seinem Erstling hat er eine Partitur abgeliefert, deren Professionalität allen Respekt verdient und überdies noch den Vorzug hat, ein absurd witziges Libretto von Georg Kreisler zu besitzen.

Man könnte es als bizarre Variante des Capriccio von Richard Strauss bezeichnen. Also: Im ersten Akt werden ein Komponist, an dem zwei Erschießungsversuche durch eifersüchtige Damen missglücken, und ein Autor, der selbiges aus dem gleichen Grund ebenso ergebnislos an seiner Gemahlin versucht, Freunde und beschließen nach Afrika zu emigrieren, um eine Oper zu schreiben. Dort entrinnen sie im zweiten Akt nur knapp der Ermordung durch die revoltierende Urbevölkerung.
Zuletzt landen sie im Altersheim, wo ein Brief der Met einlangt, in dem sich das ehrwürdige Institut bereit erklärt, das Werk uraufzuführen. Jedoch nur unter Bedingung, dass der Komponist schon tot ist. Um diese Voraussetzung zu erfüllen, schluckt dieser Zyankali, das sich zum traurigen Happyend als wirkungslos erweist.

Ein allfälliger Verdacht, dieser Aufstand der Schmetterlinge habe nun also nur zur Strafe, weil Georg Kreisler noch am Leben ist, in den Sofiensälen und nicht an der Met stattgefunden, darf jedoch besten Gewissens zerstreut werden. Kreislers Umgang mit dem Orchester ist in der Weise, wie er Klangfarben einsetzt und die Stimmen führt, so schlüssig und flüssig wie uneinheitlich. Doch so großzügig er sich stilistisch zeigt, wenn er zwischen Weill, Puccini, Verdi und Bernstein changiert, so wenig scheint er melodisch in Geberlaune.

Die vielen Rezitative, Ariosi und Ensembles, die Kreisler generös zu entwickeln versteht, wecken jedoch meist erst durch die in den Text verpackten Seitenhiebe auf EU und Weltwirtschaft das Interesse - " Der Tod ist ein Meister aus Davos" - "Europa. Ein Boden ohne Fass, ein Maulkorb ohne Hund. Bequemlichkeit der Millionäre."

Wenn dann während mancher gefährlicher Längen im zweiten und dritten Akt auch der Text auslässt, dann verlieren sich die Klänge des von Alexander Drcar zu Präzision und Drive getrimmten Orchesters des öfteren funktionslos im Plüsch.
Und das mit Anna Maria Prammer, Priti Coles, Bea Robein, Andreas Jäggi und Andrew Murphy gut gewählte Ensemble ist in Nora Scheidls poppigem Ambiente allein auf Michael Scheidls Inszenierung angewiesen. Sie sorgt für klare und verständliche Abläufe, meidet Geschmacklosigkeiten und findet zu einem eindrucksvollen Schlussbild, nach dem die Mitwirkenden und vor allem Kreisler herzlich gefeiert wurden. // Peter Vufica (
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Warmherzige Reaktionen (Wiener Zeitung)
Georg Kreislers Oper "Der Aufstand der Schmetterlinge" ist Samstagabend in den Wiener Sophiensälen uraufgeführt worden.

Die erste Oper des 78-jährigen Komponisten, der der Aufführung beiwohnte, stieß auf warmherzige, teilweise begeisterte Reaktionen des Publikums. Wahre Kreisler-Fans werden enttäuscht sein, mit musikalischen Kuriositäten à la "Taubenvergiften im Park" hat das Werk außer seinem vielfach ins Absurde gehenden schwarzen Humor nichts zu tun.

Störend an dem recht unterhaltsamen Abend war eigentlich nur zweierlei: Die Bezeichnung Oper für das Stück und das geradezu trostlose Ambiente der verwahrlosten Sophiensäle. Mitten im großen Saal steht eine schiefe Ebene als Bühne, ein rotes Sofa, ein weißer Kühlschrank und ein Haustierkäfig als Interieur einer angedeuteten Wohnung. Das Bühnenbild erweist sich als Projektionsfläche, das im Laufe des Stücks mit verschiedenen Sujets illuminiert wird.

Die skurrile, immer wieder ins Absurde abschweifende Handlung ist schnell erzählt: Nach einem dynamischen ersten Akt, wo einander die Protagonisten auf der Bühne wechselseitig erschießen, um kurz darauf wieder aufzustehen, weil sie verfehlt wurden, beschließen ein Schriftsteller und ein Komponist eine Oper, eben "Der Aufstand der Schmetterlinge", zu schreiben und zwecks besserer Konzentration nach Afrika auszuwandern. In Afrika (2. Akt) schreiben die beiden Herren an einer Oper und werden von ihren Freundinnen ausgehalten. Im Altersheim (3. Akt) sind wieder alle beisammen, die Oper ist seit 30 Jahren fertig, niemand will sie spielen - "auch die Wiener Staatsoper hat sie abgelehnt". Plötzlich wird bei Daniel, dem Komponisten, ein Brief von der Metropolitan Opera entdeckt, deren Direktor sich begeistert von dem Werk zeigt. Er will die Oper aufführen, jedoch - der Tradition des Hauses entsprechend - erst nach dem Ableben des Komponisten. Daniel schluckt daraufhin trotz Protestes seiner Freunde eine Zyankalikapsel.

Der Text wird mittels Projektoren an der Bühnenkante eingespielt - was leider notwendig ist, weil die Sänger großteils nicht in der Lage sind, ihre Stimmen im weitläufigen Saal zur Geltung zu bringen und mitunter vom Orchester der Wiener Kammerphilharmonie völlig zugedeckt werden. Beim schwarzen Humor Kreislers, wiederholt pointiert zum Einsatz gebracht, bleibt einem oftmals der Lacher gefrierend im Halse stecken.

Musikalisch bleibt Kreisler, der seinen Stil völlig umgekrempelt hat, jedoch einiges schuldig. Zwar kann einem 78-jährigen nicht genug Bewunderung entgegengebracht werden, wenn er sein gesamtes musikalisches Sein über Bord wirft und völlig neue Wege beschreitet, aber die kompositorischen Grenzen sind leider deutlich zu hören: Auf intime Pianostellen verzichtet Kreisler fast ebenso durchgängig wie auf Duettpassagen und setzt allzu oft auf Sprechgesang.

Dem Publikum jedenfalls scheint es gefallen zu haben. Die Hauptdarsteller - Anna Maria Pammer, Priti Coles, Bea Robein, Andreas Jäggi, Andrew Murphy und Josef Garcia - wurden ebenso beklatscht wie der musikalische Leiter Alexander Drcar. // Andreas Zenker (
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Die Kleinkunst der Oper: Pointen-Revue mit Musik (Die Presse)

Georg Kreisler will nichts mehr von Kleinkunst wissen und wandte sich als betagter Mann der großen Form der Oper zu. Um die breite Kluft des Genrewechsels zu verkleinern, hat er seinem Opern-Erstling vorsichtshalber das Attribut "satirisch" vorangestellt und darf deshalb in einer eigenen Musiktheater-Liga spielen.

Eine Oper im landläufigen Sinn ist Kreislers "Aufstand der Schmetterlinge" nicht. Es wird zwar eifrig gesungen und gespielt. Die hohe Pointen-Dichte, die keine hintergründige Handlung vertieft, sondern lediglich dem Selbstzweck genügen will, lässt das Bühnenwerk jedoch zur kabarettistischen Nummernrevue verkommen.

Die Handlung ist versponnen: Die kurzsichtige Barbara will ihren Mann mit seiner Geliebten ertappt haben und feuert einen Schuss auf diesen ab. Doch schon bald stellt sich heraus, dass sie auf ein fremdes Paar gezielt hat. Anna, die vermeintliche Witwe, nimmt ihr das nicht weiter übel und freundet sich schnell mit der Täterin an. Plötzlich steht der Komponist Daniel, der während des Schusses wie ein Sack zu Boden gefallen war, wieder auf-. Barbara hat daneben geschossen. Barbara und Daniel freunden sich schnell auf offener Bühne an. Jetzt ist es Anna, die eifersüchtig wird und auf Daniel schießt - doch auch sie verfehlt ihr Ziel. Schließlich ist da noch der Dichter Erik, der sich sicher wähnt, seine Frau Camilla erschossen zu haben, weil er nicht weiß, dass er mit Platzpatronen geschossen hat, Der Rest muss im Zeitraffer erzählt werden: Erik und Daniel fahren mit weiblichem Anhang nach Afrika und schreiben dort die Oper der "Aufstand der Schmetterlinge".
Dreißig Jahre später finden sie sich im Altersheim wieder und bekommen einen Brief aus New York, in dem die Metropolitan Opera Interesse an ihrem Stück bekundet. Die einzige Voraussetzung: Das Werk kann erst gespielt werden, wenn der Komponist tot ist. Daniel will seinem Lebenswerk nicht im Wege stehen und nimmt sich das Leben.

Die freitonale Musik Kreislers steht dem Text an Pointen um nichts nach. Geschickt weiß er sich der symphonischen Instrumente im Orchestergraben zu bedienen und geizt nicht mit musikalischer Situationskomik. Dass dabei so manche musikalische Wendung analog zum Libretto zur Plattitüde verkommen ist, darf nicht unerwähnt bleiben.

Michael Scheidl hat das Stück als Pop-Oper im grellen Siebziger-Jahre-Look inszeniert: etwas überdreht und kitschig, aber stets im Einklang mit den Intentionen des Autors. Alexander Drcar setzte die aufgelegten Gags Kreislers mit der Wiener Kammerphilharmonie souverän um. Die Sängerschar (Anna Maria Pammer, Priti Coles, Bea Robein, Andreas Jaggi, Andrew Murphy und Joseph Garcia) hatte hörbar Spaß am "Aufstand der Schmetterlinge". Was es mit diesem Titel konkret auf sich hat, blieb bei der Uraufführung ein Geheimnis.

Insgesamt hat Georg Kreisler ein durchwegs launiges Stück Musiktheater gefertigt. Das Ansinnen, sein Leben als Kabarettist hinter sich zu lassen, ist ihm mit dieser prallen Pointen-Revue jedoch nicht gelungen. // MARKUS SIBER (
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Kronenzeitung
SOFIENSÄLE: Gehörte Georg Kreisler einst zum Allerbesten der Kleinkunstszene, so liegt das für ihn "in der Vergangenheit". Kreisler offeriert nun mit Orchester eine satirische Oper-. "Der Aufstand der Schmetterlinge"! Die bewegte Geschichte eines Komponisten und seines Librettisten, die mit ihrer Oper um die Welt ziehen und darüber alt werden. Unterhaltungstheater! Keines der bissigen Werke Kreislers, doch das Spiel mit Tönen und Untertönen gefällt. Breitseitenweise spielt er Klischees aus und sorgt für Skurrilität. Mit einem symphonisch besetzten Orchester bietet er unterhaltsame Klangmixturen mit Zitaten und Stimmungsspielereien.
Dirigent Alexander Drcar verwirklicht das alles. Hätte seine glückliche Hand sich auch der Regie angenommen! Michael Scheidl bietet der Oper leider nicht das Ambiente, das sie verdiente. Kreislers Witz umzusetzen hätte mehr Phantasie verdient. Solide die Sänger Anna Maria Pammer, Priti Coes, Bea Robein, die Herren Jäggi, Murphy, Garcia. / gL (
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