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Stimmen
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- Ein
Interview mit Jan Klare und Peter Eisold von den
Toytones:
F.:
Welcher Stilistik kann man die Musik der Toytones
zuordnen?
K.: Die Musik der Toytones ist eine krude Mischung
aus Blasmusik, entarteten Schlagern, Geräusch-Dramen
und heißem Jazz.
E.: und einigen Ausgrabungen aus dem
Mittelalter.
K.: In den 60 iger Jahren wären wir
Avantgarde gewesen.
F.: Seid Ihr darauf aus das herkömmliche
Jazz-Publikum zu verschrecken, wie es bei der Swing
Beats-Gala in Bochum geschah?
K.: Das herkömmliche Jazzpublikum, daß
es ja eigentlich schon nicht mehr gibt oder das gerade
ausstirbt (siehe einschlägige soziologische
Publikationen wie »Das Jazzkonzertpublikum« von
Fritz Schmücker) ist die ideale Zielscheibe
für unser geschmacklich sicherlich fragwürdiges
Bühnenkonzept.
F.: Was hat es mit Eurem wunderhübschen
Bühnenbild auf sich, was bei keinem Eurer Konzerte
fehlen darf?
K.: Der Zaun, der Rasen, die Blumen sind
unsere Muse, unsere Insel der Glückseligkeit, unsere
Bastion inmitten all der real existierenden,
glänzend ausgedachten Shows, die ansonsten die
Klein- und Großkunstbühnen dieses Globalen
Dorfes überschwemmen.
F.: Eure CD Sauermarsch hinterlässt bei mir einen
leicht morbiden Gesamteindruck, liege ich da völlig
falsch?
K.: Nein, der Tod ist unser Lehrmeister.
F.: Stichwort RETRODADA!
K.: Kein Kommentar. Eher Karnevalsmusik des 22.
Jahrhunderts.
E.: Ähmm, tschuldigung, was ist
RETRODADA?
F.: Stichwort UNTERHALTUNG!
K.: Im besten Sinne.
F.: Lässt sich Euer Bühnenbild etwa als
frisch geschmückte Grabstätte
interpretieren?
E.:
Mit der Grabstätte is' gar nicht so falsch .
Sofern man unsere Musik auf den »Jazz« bezieht
ist es eine doppelte Grablegung: einerseits des
publikumsfeindlichen, solipsistischen, Jazz-pour-Jazz des
Virtuosentums, andererseits des bourgeois-esoterischen
Tranquilizer-Jazz der so gerne als Unterlage gepflegter
Feuilleton-Sendungen im Radio genutzt wird. Wir haben
eine eigene Art der Publikumsfeindlichkeit
entwickelt.
K.: Wenn wir unseren Kunstrasen weiterhin so
verkommen lassen, nicht staubsaugen, nicht reinigen, dann
wird er eines Tages leben.
F.: Nehmt Ihr Euch oder uns eigentlich ernst?
E.: Ja, natürlich, todernst, so was von
Ernst, das können sich Außenstehende gar nicht
vorstellen, wir machen E-Musik, das können sich
Außenstehende gar nicht vorstellen, was das
Probleme mit der GEMA gibt.!!!!
F.: Findet Ihr Euch selbst witzig?
E.: Nun, Ja .manchmal aber eigentlich eher in dem
Sinne der Cynismus-Theorie in Sloterdijks »Kritik
der zynischen Vernunft«.
F.: Wollt Ihr ernst genommen werden?
E.: Ja, natürlich , ausserdem verlangen wir
die angemessene Würdigung für unsere
Einführung der Semantik in den Deutschen Jazz! Auf
der anderen Seite habe ich manchmal den Verdacht, dass es
eigentlich POP ist, was wir machen, das ist schon
vertrackt.
F.: Was unterscheidet Euch von a) Helge Schneider, b)
Ars Vitalis.
E.: Von a ) : wir machen die bessere Musik , von
b) : wir sind LAUTER! Noch Fragen?
F.: Jan, .welches Mundstück benutzt du?
K.: Danke für die Frage - diese Lippen wurden
mir von Gott geschenkt, der es ja auch sonst sehr gut mit
mir meinte, wie sich unschwer erkennen
läßt.
F.: Was ist dein Lieblingsfilm?
K.: Oft sehe ich mir »Sweet Little
Pervert« an, ein Softporno, den mir meine Freundin
in Amsterdam gekauft hat, außerdem finde ich
»Themroc« mit Michel Picoli (schreibt der
sich so?) klasse.
F.: Wo kann man diese hässlichen Pullover
kaufen?
K.: Die Pullover kann man nicht kaufen, die
muß man sich bei Mutti verdienen, indem man ganz
lieb zu Hause ist.
F.: Peter, ist Dir bekannt, daß es so etwas wie
Tonsatz gibt?
E.: Ja natürlich, das ist das LEICHT
ekelerregende Sekret, das nach ausgiebigem Gebrauch der
Posaune durch ein Ventil am unteren Posaunenbogen auf den
Bühnenboden tropft.
F.: Wieso heißt Dein Stück »Die
Tönung« »Die Tönung«?
E.: MMHH. Das war so: Als ich im Drogeriemarkt
unentschlossen eine Flasche Haartönung für den
Herren mittleren Alters in der Hand wog, vergrimmt,
düsteren Gedenkens der Ausmerzung erster,
vermaledeiter Grauhaare, die einem ja als aufrechter
Ex-Kommunist mittleren Alters zwangsläufig ins Kraut
gehext werden, entschloss ich mich schließlich, die
Sache musikalisch anzugehen, brachte meiner Frau eine
Packung Henna mit, und setzte mich betrübt ans
Klavier.
F.: Was unterscheidet Deiner Meinung nach die Toytones
von dem Miles Davis Quintett von 1959?
E.: Wir arbeiten mit den besseren Computern.
F.: Gibt es Einflüsse von Esoterik auf
»Sauermarsch«?
E.: Nein, und Geometrie schon gar nicht!
F.: Wir danken für das
Gespräch.
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