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fw_03c-a02 Zu FALTSCH WAGONI gibt es viele Meinungen hier die der

Süddeutschen Zeitung

Die letzten Anarchisten 15 Jahre zwischen Dada und Pop: Faltsch Wagoni und die Kunst des Überlebens Angefangen hat alles im Café Größenwahn. Dort saß Silvana Prosperi, damals noch als Musikkritikerin bei der Stadtzeitung Das Blatt tätig, und unterhielt sich mit Thomas Busse, den alle nur »Tommi« nannten und der als Straßenbarde in München als richtiger SzeneStar galt. Sie redeten und redeten und redeten. Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die sich später dann in einem jugendstilverzierten Zirkuswagen, den Thomas Busse auf dem Oktoberfest ergattert hatte und jahrelang bewohnte, zu Liebe wandelte. Diesem Wagen verdanken die beiden auch ihre Berufsbezeichnung: Faltsch Wagoni. Wie bitte? »In diesem Wagen haben wir uns wie falsche Zigeuner gefühlt.« Aha.

Seit nun genau 15 Jahren sind Silvana Prosperi und Thomas Busse ein Paar, privat wie beruflich. Und seit 15 Jahren lieben sie - siehe Namen - das Jonglieren mit Sprache und Musik. In fast allen ihren Stücken werden Sätze verdreht und Worte aus ihrem gewohnten Zusammenhang gerissen. Kritiker haben sie verglichen mit Wittgenstein, Morgenstern und Jandl, aber auch mit Tom Waits und Mireille Mathieu. Sie selbst sagen: »Wir spielen für Leute, denen Theater zu langweilig, Musik zu laut und Kabarett zu seicht ist.«
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  Faltsch Wagoni bewegen sich mit ihrer grotesken Kauderwelschkomik, die von einer ebenso grotesken Gedankenakrobatik befeuert wird, zwischen den Genres, zwischen Dada und Pop, zwischen Kalauer und Pathos, weil sie vor allem eines wollen: Verwirrung stiften. Das gelingt ihnen manchmal so gut, daß sich Zuschauer bei ihnen danach erkundigen, ob Faltsch Wagoni denn ein Zeitgenosse von Brecht gewesen sei. Über so was können Prosperi und Busse lange lachen, sie laut (mit kräftiger Sopranstimme), er leise (mit blassem Knautschgesicht). Überhaupt sind die beiden sehr unterschiedlich. Sie über ihn: »Er ist ein Asket und kann sehr konzentriert arbeiten. Ein Ostpreuße halt.« Er über sie: »Sie ist faul, warmherzig und kann sehr bockig sein.«

Wahrscheinlich haben Thomas Busse, der die meisten Texte schreibt und sich um die Technik kümmert, und Silvana Prosperi, die gerne komponiert und das Geschäftliche erledigt, so lange als Faltsch Wagoni überlebt, weil sie es immer wieder geschafft haben, ihre unterschiedlichen Temperamente für die Bühnenarbeit zu einer produktiven Symbiose verschmelzen zu lassen. »Unsere Arbeit entwickelt sich aus unseren Gegensätzen«, sagt. Busse. »Wir spielen keine Rollen, erzählen keine Geschichten, versuchen keine Typisierungen. Wir schöpfen aus uns selbst. Wir sind wir selbst in unseren unterschiedlichen Schattierungen. Wir sind viele.« Allerdings. Deshalb waren sie früher einmal eine New-Wave-Band und sympathisierten heftig mit den Punks (denen Prosperi gleichwohl freundlich-fauchend mitteilte, den Zirkuswagen »bitte nicht anzupinkeln«). Deshalb lassen sich ihre sechs Musikkabarettprogramme auf keinen gemeinsamen Nenner bringen (bis auf den, daß sie vor schrillen Absurditäten strotzen). Und deshalb brauchen sie ein Maximum an Freiheit. Was bedeutet, daß sie sich konsequent dem Fernsehen verweigern (also nur live vor Publikum auftreten), sich durch keine Agentur vermitteln lassen und es neuerdings sogar ablehnen, Subventionen zu empfangen. »Seit zwei Jahren haben wir keinen Antrag auf städtische Förderung mehr gestellt«, erzählt Busse, »einfach deswegen, weil wir jetzt keine Lust hatten, schon wieder ein komplettes Programm zu erarbeiten. Das ist schließlich ein immenser Aufwand.«
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    Andererseits pflegen sie wieder verstärkt ihren Ehrgeiz, auf dem freien Markt zu überleben. Was zunehmend schwieriger wird, weil, erklärt Busse, die Finanzlage der Gemeinden »katastrophal« sei. Vielen Veranstaltern sei das Geld gestrichen worden, deshalb setzten die »immer öfter« auf Comedy. Und wenn dann noch Absagen von längst vereinbarten Gastspielen hinzukommen (im März sollten sie fürs Goethe-Institut nach Aarhus und Tampere touren, inzwischen wurden beide Institute geschlossen), dann muß man sich auch schon mal gegenseitig Mut machen, und zwar mit dem Credo: »Faltsch Wagoni ist unser Leben, das ist nicht nur eine Geldverdienmaschine.« In solchen Momenten hätten die beiden aber auch nichts dagegen, wenn sie doch etwas populärer wären und sich ihre beiden CDs »Pyjama Valley« und »Liegewiese - Sitzen verboten!« ein wenig öfter verkauft hätten.

»Liegewiese - Sitzen verboten« heißt nun auch das neue Programm, mit dem die beiden von heute an im Fast Food Theaterhaus gastieren (bis 14. Februar sowie vom 18. bis zum 21. Februar, Oberanger 38). Ein musikalisches Nummernprogramm, welches immerhin »zu 80 Prozent« aus neuem Material bestehe, so versichern die beiden, und den »Widerspruch von Natur und Technik« thematisiere. O-Ton-Busse: »Der Mensch als grober Schnitzer auf dem Holzweg seiner Vollendung.« Wohl auch damit werden die beiden Nischenkünstler kein Massenpublikum erreichen. Sie sehen das mit Humor: »Wir sind in der Off-Szene noch nie ausgebuht worden. Das haben wir erst in der Oper erlebt - als Zuschauer.« // SVEN SIEDENBERG, Süddeutsche Zeitung, Feuilleton.
 
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Letzte Änderung: 15.03.2014oben1pfeil_luftoben2