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sven02 Die gute alte Zeit war schlecht
Das Lachen bleibt einem im Halse stecken, eisige Stimmung legt sich aufs Gemüt, der Humor wird auf eine harte Probe gestellt. Am Piano sitzt breit grinsend und scheinbar sorglos ein Herr im himmelblauen, wölkchenverzierten Frack- und besingt gnadenlos heiter die Gleichgültigkeit seiner Mitmenschen. Die Samtstimme macht einen Abstecher und wird zum höhnischen Lachanfall, zum bedrohlichen Bariton, rasende Textkaskaden, Wortspiele und poetische Hochseilakrobatik prasseln nur so auf das Publikum hernieder. Dramaturgisch perfekt und genährt von der Musikgeschichte, wandern zwei Hände über die Tasten, scheuen Wohltemperiertes ebensowenig wie das gezielt störende Danebengreifen. «Das Rezept ist ganz einfach. Man nehme ein an und für sich grausiges Ereignis und übertreibe es maßlos, so daß es seinen Schrecken verliert und grotesk wird, dann kann man noch eine Musik dazu schreiben, die gar nicht dazu paßt und schon ist das Lied fertig.«Georg Kreisler - 1922 in Wien geboren, 1938 in die USA emigriert, 1955 nach Europa zurückgekehrt und zu seinem eigenen Erstaunen geblieben - hat das Scherzen mit dem Entsetzen, die Abschlachtung falscher Moral auf die Spitze getrieben. Der «Makabrist«, wie er bereits in den fünfziger Jahren genannt wurde, platzte hinein in die schöne Nachkriegszeit, in der Deutsche wie Österreicher am liebsten alles vergessen hätten, und versuchte, sie daran zu hindern. «Lieder zum Fürchten«, «Seltsame Gesänge«, «Seltsame Liebeslieder«, «Nichtarische Arien« nannte er die makabren, parodistischen, surrealistischen, schwarzen Songs, in denen er eine grausige Vergangenheit einer entsetzlichen Gegenwart gegenüberstellte und bereits in den frühen sechziger Jahren die Anfänge einer faschistischen Gesellschaft wiederentdeckte.Daß der Komponist, Autor, Musiker und Sänger schon damals eine besondere Sensibilität für die latent braune Grundstimmung in deutschen Landen besaß, verwundert kaum, war es doch seine jüdische Herkunft, die ihn ins Exil zwang. Des Menschen chronisches Desinteresse und seine Sensationslust gehen in Kreislers Texten Hand in Hand - wer Blumen gießt und Hunde liebt, muß zwangsläufig ein guter Mensch sein. In «Dreh das Fernsehen ab, Mutter, es zieht« beschreibt er das Vogel-Strauß-Syndrom einer Bevölkerung, die vorsichtshalber ins Bett geht, um ja nicht sehen zu müssen, was außerhalb der eigenen vier Wände passiert. Nie war sein «schwarzer Humor« Selbstzweck, sondern stets Protest und Anti-Nostalgie, eine Möglichkeit, Tabus zu brechen und angeblich weiße Westen zu bekleckern.
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sven02 Kreisler, der Kabarettist, der keine Antworten geben will, sondern Fragen stellen, hat seine ersten Sporen in den USA verdient. Von den 17 in den USA verbrachten Jahren saß er die letzten vier an einem Piano in der New Yorker Monkey Bar und anderen Nachtlokalen und trug eigene Kabarettsongs vor, zum Beispiel das 1946 geschriebene «Good old Ed«, das später in Wien zum «guaten, alten Franz« wurde. Zu schwer verdaulich allerdings durfte der Vortrag des Entertainers in jener Hotelbar nicht sein, die Existenzgrundlage verlangte Allgemeinverständlichkeit. In seinem Erinnerungsbuch «Die alten bösen Lieder« schreibt Kreisler über dieses Kapitel seines Künstlerlebens: «Ich lernte, wie man mit einem Publikum umgeht, das überhaupt nicht zuhören will, ich lernte, wie man Pointen serviert, so daß auch die Dümmsten sie begreifen, und ich lernte, wie man den Mangel an guten Pointen zudeckt und die Leute trotzdem zum Lachen bringt.«Die Fortsetzung fand dann in Wien in der «Marietta Bar« statt, mit vier Nummern, darunter «Bach in Boogie-Woogie«, einem musikalischen Gagfeuerwerk, das von Zitaten aus älterer und neuer Musikhistorie lebte. Von da ab ging 's bergauf. Kreisler gelang der Durchbruch und doch wurden seine aktuellen Lieder selten als funk- und fernsehtauglich eingestuft - eine Tatsache, an der sich bis heute wenig geändert hat. Wenn die Gefahr vorüber ist, darf gelacht oder auch geweint werden. Die jetzt wieder veröffentlichten CDs von Georg Kreisler sind ein doppelter Beweis für diese Erfahrung eines Mannes, der stets radikaler war als seine Epigonen.Die Protestlieder der fünfziger und sechziger Jahre sind aber nur teilweise ergraut, mancher Song ist erschreckend aktuell geblieben oder, noch schlimmer, wieder geworden. Kreisler schrieb einmal: «Wenn ich die Zeit der alten Lieder heraufbeschwöre, so merke ich, daß sich seither zwar viel verändert, aber wenig geändert hat. Vor wenigen Wochen wurde mein Lied über Franz Josef Strauß im Fernsehen des Südwestfunks ebenso diktatorisch zensuriert wie 1968 meine Lieder über Zeitungskritiker im Österreichischen Fernsehen und wie 1958 das Lied von Gelsenkirchen im Norddeutschen Fernsehen.« Das in den achtziger Jahren geschriebene Lied «Wir sind alle Terroristen« , das die Terroristenhatz in Kinderliedform verhöhnte, hat manche Herrschaften nicht minder auf die Palme gebracht.Kreisler ist und bleibt ein unbequemer Zeitgenosse und das ist seinen Songs auch im nachhinein anzumerken. Sein wohl berühmtestes Lied, das «Frühlingslied«, bekannt geworden unter denn Titel «Taubenvergiften im Park«, hat er selbst immer wieder aktualisiert, da er die Urfassung für eines seiner dümmsten Lieder hielt. Das hindert allerdings auch heute bestimmte Interpreten, wie die H-Monists, nicht, nach wie vor diese erste Ausgabe anzustimmen - die gute alte Zeit war eben doch besser.Die Liedern schildern somit ein Stück Zeitgeschichte, beobachtet von einem, der mit böser Zunge Menschlichkeit predigt und mit unschuldigem Blick das Grauen im Nachbarhaus entlarvt. / Anna-Bianca Krause
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Letzte Änderung: 15.03.2014oben1pfeil_luftoben2