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sven02 Süddeutsche Zeitung, Feuilleton
zum Auftritt von KreislerIn Musik gegossene Literatu
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»Kreisleriana« in Haar: Der Meister aus Wien singt böse alte und neue LiederWenn die inflationäre Bezeichnung «Altmeister« einen Sinn macht, dann bei Georg Kreisler. Bleibt nur die Frage, von was. Denn wie soll man das nennen, was der inzwischen 75jährige, aber immer noch unermüdliche Kreisler da mit seinen Liedern eigentlich macht. Kabarett? Vielleicht. Chanson? Schon. In Musik gegossene Literatur? Sicher auch. So im besten Sinne eigenartig, so unerreicht, so einzigartig ist das jedenfalls, daß es fast eine eigene Kunstgattung darstellt. «Kreisleriana« möchte man sie nennen, und was es damit auf sich hat, davon konnte man sich am Mittwoch im Kleinen Theater Haar ein Bild machen.«Die bösen, alten Lieder« standen auf dem Programm, jene Lieder also, die Kreisler nach seiner Rückkehr aus der Emigration im Wien der 50er Jahre schrieb und die ihn bis heute berühmt machten. «Bidla Buh« etwa, das fröhliche Lied eines Frauenmörders («Adelheid warf ich in die Donau, gleich nach Dürnstein. Niemand hat's gesehn. Doch auch sie wird mir verzeihn, denn grad bei Dürnstein ist die Donau doch so wunderschön«); der «Guate, alte Franz«, jene hinterlistige Persiflage von Männerfreundschaf - ten; Musikalisches wie das Lied vom «Triangelspieler« oder das vom ebenso gnadenlosen wie unmusikalischen «Musikkritiker«; und natürlich das «Taubenvergiften«, jene makabre Ode an den Frühling, die ihm den Durchbruch bescherte.Bei diesen Solostücken blieb naturgemäß weniger Raum für Kreislers (auch private) Begleiterin Barbara Peters als sonst. Mit dem «Weihnachtsmann auf der Reeperbahn« in Hamburgisch oder der «Frau Schmidt«, jener für Kreislersche Verhältnisse fast zu plakativen Abrechnung mit der Durchschnittsspießerin, bekam sie aber einige laut beklatsche Filetstücke ab.Vielleicht auch mit Rücksicht auf seine Partnerin, hat sich Kreisler lange geweigert, diese alten Nummern wieder zu spielen, nicht ohne Grund. Denn zwar hat er bis heute an die 1000 Lieder, Funk- und Fernsehstücke und ähnliches verfaßt, doch viele reduzieren ihn auch jetzt noch auf jene etwa 25 «Makabren Melodien« und «Seltsamen Gesänge'« aus seinen drei Anfangsjahren. obendrein war die Zeit in seiner Geburtsstadt Wien für Kreisler alles andere als glücklich. Sämtliche seiner Texte wurden damals im Rundfunk verboten und rührten schlimmste Ressentiments auf. Kreisler reagierte mit Befreiungsschlägen in der Art« Wie schön wäre Wien ohne Wiener« und läßt bis heute kein gutes Haar an der Szene um Gerhard Bronner und Helmut Qualtinger.So befremdlich es also für Georg Kreisler sein muß, ewig auf seine Anfänge festgenagelt zu werden, so verständlich ist es andererseits. Denn selten ist nach dem Krieg etwas derart Zeitloses auf der Bühne präsentiert worden. Und das betrifft nicht nur die Form, wie in den unvergleichlichen sprachspielerischen Songs wie die «Zwei Tanten«, die im Hinterhaus allen weltlichen Unbilden zum Trotz Tango tanzen, sondern auch die Inhalte.
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sven02 Wenn Kreisler etwa in böhmakelndem Ton über jenen undefinierbaren«Bluntschli« singt, den ein Herr Wachtel in einer Schachtel verwahrt, um dadurch bedeutend zu werden, dann ist damit der Kern des Phänomens Statussymbol erfaßt und künstlerisch verarbeitet.In seinen späteren Wohnorten in Deutschland und der Schweiz mag der rast- und heimatlose Emigrant Kreisler wohl bessere Arbeitsmöglichkeiten vorgefunden haben. «Aktueller« war, was er dort schuf. Gerade deshalb aber haben wahrscheinlich seine früheren Lieder ein längeres Leben. Das hat Kreisler wohl selbst resignierend eingesehen, auch wenn er meint, er habe sich ihnen entfremdet wie Kinder, die erwachsen geworden sind.Etwas von seiner allzuoft vergessenen Vielseitigkeit ließ Georg Kreisler gegen Ende mit einigen seiner «Nichtarischen Arien« aufblitzen. Diese in den sechziger Jahren entstandene Verarbeitung seines Judentums waren wohl die ersten Lieder in jüdischem Deutsch - lange bevor die Klezmer-Welle ähnliches zum Allgemeingut machte. Gespickt mit jüdischem Humor und Melancholie hätten es Titel wie «-Ein herrliches Weib« oder «Der Knopf «ebenso verdient, sich ins Gedächtnis der Fans einzugraben wie das «Taubenvergiften«. Geradezu gnadenlos biographisch mutet der Text «Ich fühl mich nicht zu Hause« aus diesem Liederzyklus an. Es bringt - ohne daß es den meisten lachenden Zuschauern wohl recht bewußt ist - die tragische Heimatlosigkeit Kreislers auf den Punkt.Bei der Zugabe ließ es sich Kreisler dann nicht nehmen, zusammen mit Barbara Peters etwas ganz Neues zu bringen. Und diese witzige Sprachspielerei eines von Tippfehlern verunstalteten Liebesgedichts («Bedecke meinen Hund mit Nüssen - Bedecke meinen Mund mit Küssen«) wies Kreisler endgültig als Meister vom Schlage eines Tucholsky aus - auch wenn Kreisler selbst gern mit seiner angeblich mangelhaften Beherrschung des Deutschen kokettiert. Wer sich Kreislers Auftritt in Haar entgehen ließ, sei auf die vor einigen Monaten erschienene, mit einem aufwendigen Booklet versehene CD «Die bösen, alten Lieder« (kip-Records LC 6008) und das begleitende Textbuch verwiesen. Doch auch Kreislers Kampf gegen die eigene Vergangenheit geht weiter: Ein Musical und ein Theaterstück sind in Arbeit. Freuen wir uns auf neue, böse Lieder. / Oliver Hochkeppel
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Letzte Änderung: 15.03.2014oben1pfeil_luftoben2