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sw-port Gut Schabbes, Heimat
Von der Klassik zum Chanson: Die Harfenistin Susanne Weinhöppel Schon seit dem zweiten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung ist die Existenz der Harfe im Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris sowie in Ägypten nachgewiesen. Damit zählt sie zu den ältesten bekannten komplexen Instrumenten. Nur nützt das Susanne Weinhöppel wenig, wenn sie ihr vierzig Kilo schweres sperriges Teil, dieses „Ungetüm aus Engelsphären” auf Konzertreisen per Bahn von Basel bis Berlin, und von München bis Köln durch die Lande schleppt.
Statt Hilfe bekommt sie von Mitreisenden immer wieder Kommentare zu hören wie „Wäre eine Querflöte nicht einfacher gewesen?” oder „So ein kleines Fräulein und so ein großes Instrument.” Susanne selbst: „Eine Harfe kann nichts außer Harfe”.
Verpackt schaut Weinhöppels vierzigtausend Euro teure Harfe, wie sie selbst sagt, wie ein „überdimensionaler Boxhandschuh aus”. Zwei Tonnen Zug bauen sich zwischen Rahmen, Säule und dem siebenundvierzig Saiten auf. Die Musikerin kennt ihr Meisterinstrument in- und auswendig, führt auf Nachfrage bereitwillig vor, wie „man unten trockene und in der Mitte saftigere Töne produziert”.
Mit elf Jahren war sie - nach drei Jahren intensivem Klavierstudium - auf dieses Instrument umgestiegen, studierte später an der Musikhochschule in München und am Mozarteum und legte ihr Diplom im Fach Konzertharfe ab. Doch Teil eines Orchesters wollte sie nie sein. Sie ist stattdessen eine virtuose Solistin geworden.
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sw-port Und entlockt ihrem Instrument unerwartete Dimensionen. Charakteristisch am Klangbild der Harfe ist nämlich, daß die Töne verschwimmen:„Negativ ausgedrückt: eine Harfe kann eigentlich nichts außer Harfe.” Frasierung, Stakkato könne man allenfalls andeuten, immer klinge es nach. Als Jugendliche war Susanne Weinhöppel aufrührerisch, interessierte sich für Bob Dylan und Joan Baez - in ihrem der Klassik verbundenen Elternhaus ein tiefer Sündenfall. Das Aufrührerische ist geblieben.
Als ich ihr Mitte der Achtziger das erste Mal begegnete prangte in ihrem roten Haarschopf eine blaue Strähne. Damals präparierte sie auch für bestimmte Klangeffekte die Saiten ihrer Harfe gelegentlich mit Plastiktüten oder einem Büstenhalter. Heute manifestiert sich ihr Nonkonformismus darin, daß die klassische Harfenistin - Mozart, Schubert und Schumann sind ihre Favoriten - populäre Musik und Kabarett macht:
Fasziniert von der Verbindung von Sprache und Musik, komponiert sie Chansons, die sie zur Harfe singt. Statt sich hinter Klassik zu verschanzen, interpretiert sie „das Leben, wie ich es wahrnehme”. Harfe und unpassende Lieder nannte die Siegerin des Bundeswettbewerbs Gesang im Bereich Chanson/Song ihr Programm von 1989. Für ihren Auftritt zu Frausein und Beziehungsknatsch Ächzen und Krächzen erhielt sie 1992 den Tollwood-Förderpreis. 1999 kam der Schwabinger Kunstpreis der Stadt München hinzu. Prominente Schriftstellerinnen wie Elke Heidenreich und Asta Scheib schreiben für sie maßgeschneiderte Texte. Sie erzählen über das kleine Glück („Von den Kuchen die feuchten, von den Männern die Leuchten”).
In ihrem Prolog zu den Text „Ich muß bald sterben” bekennt sie: „Mit achtzehn dachte ich, ich könnte im Leben alles erreichen.” Inzwischen sei es gewiß, „werde ich nie meinen Hausschlüssel auf Anhieb finden und schon gar nicht meine Mitte”.
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    Auf ihrer neuen CD „Blaue Stunden” geht es um magische Momente, Leichtigkeit: „Das, was Chagall-Bilder haben.” Die Titel ihrer Programme bündeln, was sie beschäftigt. Gut Schabbes, Heimat, ein Liederzyklus, kombiniert mit Texten von Joseph Roth bis Oskar Maria Graf, entstand unter dem Eindruck von ausländerfeindlichen Anschlägen wie dem in Mölln; Die Erbsenprinzessin setzte sich mit dem Phänomen der höheren Tochter auseinander (die sie, im Gegensatz zur eigenen Mutter, nie war). Wechseljahre einer Kaiserin befaßte sich mit dem Älterwerden. Ihr neues Programm, „Die Stunde in der ich alles von mir wußte”, hatte vorige Woche in Basel Premiere.Wenn es ihr stimmig erscheint, singt sie Bob Dylan auf Bayrisch oder einen Beatlesong auf Jiddisch. Einen ganzen jiddischen Liederabend, „Aus der Zeit”, hat sie in ihrem Repertoire, mit eigenen und mit Texten von Mordechai Gebirtig, Hersch Glik, Itzig Manger und Salek Kutschinski. Wer da hellhörig wird, weil ihre Aussprache so authentisch klingt - „Die auch?”: Ja, doch: Susanne Weinhöppel ist jüdisch.
Das Jiddische ist allerdings angelernt. Ihrer Großmutter wäre es ein Graus gewesen. Die Familie Hutzler, deutschstämmige Juden aus Fürth, lebte seit 1840 in den Vereinigten Staaten, großenteils in Baltimore. Die Großmutter schwärmte für die europäische Aristokratie, war deshalb Anfang der Dreißiger oft in Wien, schickte ihre Tochter, Susannes Mutter, auf ein Schweizer Internat. Die Mutter wandte sich, nicht zuletzt unter dem Eindruck der Nazizeit, dann gänzlich von allem Jüdischen ab. Susanne und ihre Schwestern besuchten den katholischen Religionsunterricht. Den Weg zurück ins Jüdische hat sich Susanne Weinhöppel selbst erarbeitet: Religiös, kulturell, im Lebensstil. Inzwischen assoziiert sie wie eine gute jüdische Mamme mit dem Schlagwort „Familie” Kochen und Essen. Und gesteht, daß sie - obwohl sie’s doch besser weiß - ihrem Sohn Arthur, dem ein wunderschönes gleichnamiges Lied gewidmet ist, immerzu etwas zu essen machen möchte.
Susanne Weinhöppel: Blaue Stunden CD, kip records 6023
Ellen Presser , 25. September 2002
 
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Letzte Änderung: 15.03.2014oben1pfeil_luftoben2