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sw-harfe Kussmund für den Totenkopf
Über die Schönheit des Vergänglichen
/ Darmstädter Echo

Biologisch gesehen hat die Frau in den besten Jahren ihre Funktionen bereits erfüllt. Auch wenn dank moderner Medizin des Kinderkriegen selbst mit 44 keine Utopie mehr sein muss. Doch ist das nicht purer Luxus? Und ist die Zeit nach dem vierzigsten Lebensjahr nicht einfach nur noch die Zeit vor dem Sterben?
So betrachtet es zumindest Susanne Weinhöppel, Münchener Kabarettistin, Harfenistin und Sängerin, die am Samstagabend ihrem Programm »Wechseljahre einer Kaiserin« im Halbneun-Theater gastierte. Selbstironisch, poetisch (jedoch nie kitschig), unterschwellig sarkastisch, aber nur selten höhnisch sucht sie ihre ganz persönlichen Gemeinsamkeiten mit Elisabeth, genannt Sissi, der Kaiserin von Österreich-Ungarn. Diese Gemeinsamkeiten sind allerdings rar - und wenn, dann wirken sie wie ein Versehen. »Sissi hatte größere Probleme mit dem Alterwerden«, erklärt Weinhöppel, »Ich nur kleine.« Womit sie beim Thema ist.
Kneifend sind ihre Ansichten zum viel diskutierten Topos: da ist - fast schon gesellschaftskritisch - die Rede vom Sportwahn der Kaiserin, vom Sex in der Ehe („Sechsmal im Quartal. auf Krankenschein”) oder - ebenso selbstironisch-abfällig - vom bayerischen Grant („Nirgendwo wo in Deutschland fährt einem der Bus so oft vor der Nase weg wie in Bayern”).
Bissig-charmant sind auch die Inhalte der jiddischen, bayrischen und eigenen Lieder, die die ausgebildete Konzertharfenistin mit bezauberndem Spiel begleitet. Ausdrucksstark singt Weinhöppel über die Zeit („ein sonderbar Ding"), über du gemeinsame Älterwerden („eine Illusion") oder über die Frau, „die ein Leben lang auf ihren Mann gewartet hat und, ab sie alt war, kam er dann.“ Selbst, wenn sich - wie in der schönen Ballade „Liebst du mich?" - etwas Wehmut breit zu machen droht, erstickt ein eingeschobener, schneller Witz sie im Keim. Für Sentimentalität findet sich in Susanne WeInhöppels Sicht der Dinge kein Platz. Nur logisch, dass sie das Gejammer über die Wechseljahre „nicht mehr hören“ kann. Ihr ist vielmehr „jeder Wechsel recht“. Selbst auftretende Hitzewallungen seien nichts Unangenehmes, im Gegenteil: »Ich habe ein Leben lang gefroren."
Immer wieder sinniert Susanne Weinhöppel über die für sie anscheinend so faszinierende Sissi. Mit leuchtenden Augen betrachtet sie das Plakat, das neben der Harfe auf der Bühne hängt: Dort räkelt de sich als Sissi in barockem Gewand (das sie zeitweise auch auf der Bühne trägt) auf dem mit rotem Samt behangenen Stuhl (der auch auf der Bühne steht), in ganz kaiserlicher Manier. „Erkennen Sie die Ähnlichkeit?", fragt sie ins lachende Publikum. Sogar eine Rückführungstherapie habe sie gemacht, um auf die Gemeinsamkeiten mit Sissi zu stoßen.
Auf die entscheidende Frage, wer Sissi denn nun eigentlich wirklich war, findet die rotschopfige Kabarettistin nur eine einschränkende Antwort: „Die Romy Schneider kann`s doch gewesen sein." Um kurz darauf ihre Verehrung für Karl Heinz Böhm kund zu tun, dessen (Jugend-)Foto sie stets als Lesezeichen benutzt. Doch die ständigen, bewusst inszenierten Vergleiche mit Sissi, die anfangs noch amüsierten, wirken gegen Ende des Programmes eher etwas ermüdend.
Authentischer sind Susanne Weinhöppels Gedanken über den Tod, also das Ende der „Zeit vor dem Sterben“, die sie als ihren derzeitigen Lebensabschnitt sieht. Bei Kerzenschein am Bistrotisch sitzend hält sie de Totenkopf mit dem aufgemalten roten Kussmund in den Händen und fragt ihn: „Warum sollen wir bis dahin nicht einfach nur das tun, was wir wollen?”
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  Wechseljahre oder Aus der Ferne winkt das Grab
Jo Zwingenberg / Mainzer Rheinzeitung
Bestandsaufnahme in den Wechseljahren und Plaudereien aus dem nostalgischen Nähkästchen
Voll wie selten wars im im kleinen Unterhaus, als die Münchner Schauspielerin und Harfenistin Susanne Weinhöppel im roten Samtkleid die Bühne betrat. Ihr Motto: Jede Frau wäre gerne die Sissi, jedenfalls ab und zu, aber wenn dann die Wechseljahre kommen, weiß man, es gibt kein Zurück. Das traf den Nerv der Anwesenden. Dem mehrheitlich weiblichen Publikum schien das Thema auf den falschen Nägeln zu brennen.
Von der Wasserscheide des Lebens lugt Susanne Weinhöppel mit feinem Witz und viel Ironie mal nach links hinunter, wo sich die vergangenen Jugendjahre unerreichbar langsam verklären, mal nach rechts hinunter, wo in der Ferne schon das Grab winkt. "Was sind schon 30, 40, 50 Jahre?» Als allzu anderes Spiegelbild ihrer selbst, einer „jungen Frau im mittleren Alter“, dient ein „Porträt“ von Sissi, mit der sie doch so herzlich wenig gemeinsam hat und mit der sie sich doch so seelenverwandt fühlt,
Geschickt gewinnt Weinhöppel aus alltäglichen Eheproblemen, schwindender Jugend und der Aussicht auf das Alter ihre Pointen. Dabei spricht vieles für die kluge und umsichtige Regie von Bruno Hetzendorfer. Denn Weinhöppel begann den Abend mit Nummern und Liedern über die Routine der Ehe inklusive Sex, deren Pointen selbst längst über die Wechseljahre hinaus sind. Doch sie entzündete damit ein Strohfeuer, das als Zunder für die substanzielleren Themen der späteren Nummern diente.
Den „bayrischen Rassismus" brachte sie knallhart auf den Punkt. Für die Bayern gebe es zwei Arten von Ausländern: Preußen und Neger.
Ein Ereignis für sich waren die eigenen Chansons von Susanne Weinhöppel. Während die jiddischen Lieder weitgehend ihre Wirkung verfehlten und Chansons wie "Benjamin, ich hab nichts anzuziehn" die schauspielerische Vielseitigkeit von Weinhöppel dokumentierten, trafen Ihre eigenen Chansons wesentlich tiefer. Da kam auf einmal eine Stimme zu Wort, die mit dem Schatz an Erfahrung und der Weisheit eines halben Lebens sprach. Mucksmäuschenstill war's bei Chansons wie „Das kleine Glück". Da wurden allgemeingültige Wahrheiten unprätentiös und unsentimental auf den Punkt gebracht. Davon sollte man viel mehr hören.
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Letzte Änderung: 15.03.2014oben1pfeil_luftoben2