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Soweit die Sinne trügen

Ein Interview zur Premiere

APPLAUS, Münchner Kulturmagazin

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Münchner Kultur-Magazin APPLAUS

NEUES PROGRAMM VON FALTSCH WAGONI IM THEATER LINKS DER ISAR

Dias oder Diasse
Seit 1983 zeigen Faltsch Wagoni, alias Sitvana Prosperi und Thomas Busse - auch privat ein Paar - ihre groteske Darstellungskunst «Grotextmusik«, ein Vergnügen des Denkens und ein Fest der Sinne. Schwer einzuordnen, aber einzigartig in dieser Form. Ihr neuestes Werk heißt «Soweit die Sinne trügen«.

Applaus: Worum geht es In euerem neuen Programm?
Prosperi: Das neue Programm ist ein musikalischer Dia-Abend. Es geht um das Leben in einer Zeit der Medienvernetzung... / Busse: wo Bild und Realität sich zu einer Vision vermengen, wo man nicht mehr weiß, was was ist. Aber es geht um mehr als nur das Sehen. Das Bild spielt zwar eine zentrale Rolle durch die Dias - oder heißt es Diasse? Da streiten wir immer noch - aber es geht auch um Gehör, Geruch, Geschmack, einfach um Wahrnehmung und den Sinn, der in den Dingen steckt. Prosperi: Im Mittelpunkt steht dabei aber immer der Mensch, der überall auf der Welt dabei ist, bzw. informiert ist. Schließlich ist man ja irgendwie immer mittendrin. Genau das wird bei uns poetisch verarbeitet.
Applaus: Ihr habt in jedem Programm ein neues Element, das im Mittelpunkt steht . Welches ist es jetzt?
Prosperi: Ich würde es eher eine formale Idee nennen. Diesmal jedenfalls geht es hauptsächlich um Bilder und zwar um Licht-Bilder und Nicht-Bilder! Busse: Es ist so, daß wir uns einen Rahmen geben, und innerhalb dieses Rahmens agieren wir dann in alle möglichen Bereiche hinein. ist es nicht manchmal schwierig auch privat ein Paar zu sein? Prosperi: Sagen wir mal, es hat Vor- und Nachteile. Wir haben keinen Feierabend, aber dafür die Möglichkeit, zu jeder Tagesund Nachtzeit weiterzuarbeiten. Beim Spazierengehen kommt einem zum Beispiel eine Melodie, die kann man dann zuhause sofort dem anderen vorspielen. Busse: Das ist es ja gerade, diese Möglichkeit, sich sofort mitteilen zu können! Beispiel: in dem Moment, wo sie eine Idee hat, habe ich das schon registriert. Es passiert dann oft, daß ich diese Idee umsetze, obwohl Silvana sie schon wieder vergessen hat. Prosperi: Oder sogar verworfen!
Applaus: Gibt es eine Arbeitsteilung bei euch, was sind eure Stärken?
Prosperi: Also Thomas ist der Tüftler... Busse: und Silvana ist eher auf der intuitiven Ebene aktiv. Von ihr kommen die meisten inszenatorischen Ideen. Diese charakterlichen Gegensätze sind total wichtig, davon lebt das Theater auch. Eben dadurch, daß wir so grundverschieden sind, entsteht die Spannung.
Applaus: Ihr macht vom Plakat über die Kostüme bis hin zur Regie alles in Eigenproduktion. Warum tut ihr euch das an?
Prosperi: Weil es ursprünglich die Idee von lFaltsch Wagoni war, unsere verschiedenen Talente mit einzubringen. Thomas hat zum Beispiel ein graphisches Talent und ich entwerfe gern Kostüme. Von Anfang an hat eine Ästhetik dazugehört, auch in der Werbung, dahinter muß man ja stehen können. Die Ausarbeitungen machen dann aber schon andere.
Applaus: Fühlt Ihr euch eher als Theater- oder als Kabarett-Duo?
Busse: Ach, alles wird immer nur in Sparten angeboten, alle wollen sich spezialisieren. Meines Erachtens ist das völlig überholt. Das gehört für mich alles durchbrochen.
Applaus: Möchte aber der Leser oder der Zuschauer nicht gerade etwas Eindeutiges?
Busse: Man erzieht sich das Publikum doch selbst. Das Problem ist, daß jeder Künstler etwas Neues machen will. Ich glaube, daß das heute kaum noch möglich ist, sondern das Neue ist letztlich eine Kombination aus den verschiedenen Elementen. Prosperi: Viele interessante Sachen passieren im Moment gerade zwischen den Genres. Auf dem Land treten wir z.B. auch in Musikläden auf - das funktioniert, und wir erreichen ein ganz anderes Publikum. Ist doch irre!
Applaus: Wenn Ihr euch eine Bühne aussuchen könntet, wo würdet ihr am liebsten auftreten, was paßt am besten zu euch?
Prosperi: Ganz verschieden. Theaterbühnen sind uns in letzter Zeit lieber, weil wir sehr aufwendige Bühnenbilder haben und man dort einfach mehr Möglichkeiten hat. Mit «Volapüks Rache« z.B.möchte ich mal ins Nationaltheater, das Programm ist nämlich eigentlich eine Oper. «Einer platzt an der Sonne« wäre auch in einem Freizeitpark toll... Busse: und das neue könnte ich mir in einem Konferenzraum vorstellen... Prosperi: ach ich weiß nicht.... / Annette Jäger


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