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dada01EIN VERGNÜGLICHER,
POETISCH-MUSIKALISCHER
SCHLINGER-EXKURS ZU DEN
KLIPPEN UND UNTIEFEN EINER
RÄTSELHAFTEN SPRACHE


Der Mensch stammt vom Tier ab. Der Italiener vom Kanarienvogel. Der Australier vom Wollschaf. Der Franzose vom Hündchen und der Deutsche vom Grautier. Desgleichen seine Sprache.

Diese sprachgeschichtlich nicht ganz unbedeutende Erkenntnis zwingt uns zu einem weit zurückreichenden Blick, beziehungsweise Horch auf das allem zugrunde liegende "i-a" unserer Vorfahren.

Von da aus war es nur ein Kleines bis zum "Ich auch", diesem besitzheischenden Minimalgrundsatz der deutschen Sprache. Wer nun glaubt, dass sich aus diesen leicht nachvollziehbaren Anfängen des Deutschen eine einfache und logische Sprache entwickelt hätte haben müssen, der hat sich - hahaha! - mächtig geschnitten.

Aber wem sagen wir das! Alle Welt weiss, dass Deutsch nach Russisch, Chinesisch und Schwyzerdütsch die allerschwerste Sprache der Welt ist. Aber was vielleicht einige nicht wissen: was man mit dieser Sprache poetisch und sprachspielerisch alles anstellen kann, eben weil sie so komplex - um nicht zu sagen: kompliziert - ist.

Und genau dafür sind Thomas Busse und Silvana Prosperi alias Faltsch Wagoni die idealen Anschauungs-Subjekte. In ihrer kurzweiligen Performance "deutsch ist dada" breiten sie die Eigenheiten der deutschen Sprache lustvoll und sprachverspielt aus. Sie zerpflücken die deutsche Grammatik, drehen und wenden Begriffe und ihre Bedeutungen, fördern Paradoxes und Absurdes zutage.

Kurze, poetisch-komische Szenen wechseln mit Songs, in der die rhythmisch-musikalischen Qualitäten und die Schönheit der deutschen Sprache zur Geltung kommen - alles ohne großen Aufwand, also A-capella, oder mit einfachem Instrumentarium wie Kastagnetten, Säge, Mundharmonika, Papier, Concertina, Nasenflöte, Gitarre, Lederrock...



EINE LESUNG WIE EIN KONZERT WIE EIN HAPPENING
Herr Busse besingt die Seele der See, Frau Prosperi singt ein Lied mit Adamsapfel.

»Du, die du die Dame aus dem Duden bist
du, die du das ABC verkörperst wie keine
ich will, dass du mein Wortschatz bist
und wenn du willst bin ich der deine.«

So besingt der Dichter Thomas Busse seine Partnerin und Sängerin Silvana Prosperi in einem der idyllischeren Momente des Programms, denn eigentlich befinden wir uns inmitten eines Partner- und Widersacher-Clinchs, der sich in wunderbar absurden Wortgefechten, witzigen Szenen und spritzigen Songs Luft verschafft. Ein vergnüglicher Zweikampf mit der spitzfindigen Waffe der Wortklauberei auf der einen Seite - wobei die persönlichen Unstimmigkeiten aus den Unstimmigkeiten von Grammatik und Syntax abgeleitet werden - und der Waffe des Instinkts auf der anderen Seite.
Sie trommelt auf allem was zur Verfügung steht: Tisch, Stuhl, Zeitung, Rock, Koffer und singt dazu mit klarer Stimme. Er zupft dazu die Gitarre, verbiegt eine singende Säge oder quetscht die Concertina. Und unterdessen werden Worte, Sätze und Sinnzusammenhänge in atemberaubender Akrobatik durch die Köpfe gewirbelt, durch die Wirbel geköpft, durch die Wipfel gekurbelt, dass es nur so eine Freude macht.
Ist das nun eine gestörte Lesung oder ein verhindertes Konzert oder einfach nur ein Massaker im Sprachlabor?
Der Unterhaltungswert ist beträchtlich. Die Musikalität ist bewundernswert, das Temperament reisst mit, das Publikum ist hingerissen. // Süddeutsche Zeitung


Von Dichtern und Um-Denkern
"Night of the Poets" im HeideIberger Deutsch-Amerikanischen Institut

Alle Jahre wieder, wenn sich die kaIte Jahreszeit nicht nur auf dem Kalender, sondern auch auf dem (Gefühls-)Thermometer verabschiedet und der Mai seine Aufwartung macht, findet sie statt: Die "Night of the Poets", das kultige Poetentreffen im Heidelberger Deutsch-Amerikanischen Institut ...

... Wer Probleme damit hat, im vorangegangenen und im kommenden Satz einen Genitiv ausfindig zu machen, sollte beim Duo ,,Faltsch Wagoni" Nachhilfestunden nehmen: Mittels der Lederrock-Musik von Silvana Prosperi ("Du, die du die Dame aus dem Duden bist") und der Wortakrobatik ihres Partners Thomas Busse ("Ich würde, wenn ich wüsste, wie es wäre, wenn ich's täte") konnten oft vergessene Grammatikregeln wieder aufgefrischt werden und die Gesichtsmuskulatur, insbesondere diejenige im Bereich der Mundgegend, trainiert werden. Dabei sind die beiden Kabarettisten nicht nur Meister der Wortklauberei, sondern beherrschen auch das Bauchreden und das Musizieren mit allerlei Körperteilen auf's Beste.
Zweifellos war ihre Darbietung der Höhepunkt der Nacht. // Rhein-Neckarzeitung, Patricia Pompe



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