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Programme
von Georg
Kreisler / Barbara Peters...
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Georg
Kreislers neuestes Programm: «Fürchten wir das
Beste«
Ein
wütender alter Mann - Verzweifelt gegen Stumpfsinn -
Wunderbare Lieder für Barbara Peters
MAINZ.
Letzlich gehört auch Georg Kreisler zu denen, «die
immer noch an das Gute glauben«, obwohl er selbst wohl
nicht so recht weiß. warum. Wenn er sich umblickt,
entdeckt er auf Anhieb so viel Grausiges, so viel
Gleichgültigkeit und Unverbesserlichkeit, daß
sein letztes Programm «Fürchten wir das
Beste« zum Gegenteil einer versöhnlichen,
altersmilden Rückschau wird. Das Publikum im Mainzer
unterhaus erlebt einen »angry old man«, der um so
verzweifelter provoziert, je weniger sich immer mehr und
immer stumpfere Zeitgenossen provozieren lassen.
Obwohl er seine Wut selten an namentlich genannten Personen
festmacht, ist dieses Programm so konkret und aktuell, wie
sich nur denken läßt. Die unbewältigte
NaziVergangenheit? Sie läßt sich nicht trennen
von der unbewältigten Nazi-Gegenwart. Womit er nicht in
erster Linie die Skinheads meint, sondern die große
Zahl derer, die immer un-heimlicher Beifall klatschten, als
die Häuser brannten, und alle, die die Macht der
Starkken über die Schwachen zementieren.
Gegen die Fratze von Gewalt und Dünkel hilft wie je nur
eines: Gelächter. Spott und Georg Kreislers schwarzer
Humor, der Hilflosigkeit übertünchen soll:
»Erwartet nicht zu viel von meinen Liedern«, singt
er resumierend. Auch sein bekanntes Lied vom Musikkritiker
ist kein so harmloser Scherz, wie es scheinen könnte,
denn es zeigt auf, was Kreisler weithin vermißt:
»Eine gewisse Art von Demut.« Dennoch:
»Musikkritiker gehören heute zu meinen geringsten
Sorgen«, und daher hat er einen neuen Text zur Musik
geschrieben: Vom Politiker, der die Nöte, über die
er zu entscheiden hat, gefühllos zur Kenntnis nimmt
und, man höre, seine Karriere im Vorstand von
Volkswagen fördert.
Kreislers Partnerin ist die Diseuse Barbara Peters. Ihr hat
er einige wunderbare Lieder geschrieben. Mal berlinerisch,
frei nach Hollaender, oder in einer herrlich albernen, aber
auch anrührenden Reeperbahn-Milieustudie: »Auch
auf der Reeperbahn steht dann und wann ein
Weihnachtsmann.« // Mainzer Rhein Zeitung, Roland
Furch
Die
Lieder sind vergeblich - aber frei
Georg
Kreisler im Mainzer unterhaus mit seinem Programm
«Fürchten wir das
Beste«
»Der Großmeister des Schwarzen Humors
präsentiert sein letztes Programm«, lesen wir in
der Ankündigung zum Gastspiel Georg Kreislers im
Mainzer unterhaus. Im nächsten Jahr feiert er seinen
75. Geburtstag, da darf man schon an den Abschied von der
Kabarett-Bühne denken. Ob er ihn tatsächlich
nehmen wird nach der jetzigen Gastspielreise - wir werden
sehen.
Denn daß einer wie er, der sich kürzlich mit
einem in der »Süddeutsehen Zeitung«
veröffentlichten Brief verbeten hat, daß die
Honoratioren des österreichischen Staates und der Stadt
Wien ihm zum 75sten gratulieren (»... möchte
dieser Heuchelei, die nur meinen Tod abwartet, um mich
posthum zum Österreicher ernennen zu können,
keinen Vorschub leisten«), von heute auf morgen seinen
Mund hält, möchte man sich gar nicht vorstellen.
Wenn es aber so sein sollte, dann ist es jetzt noch einmal
an der Zeit, die Ohren zu spitzen und genau
hinzuhören.
Kreisler beginnt sein Programm mit der Sängerin und
Schauspielerin Barbara Peters mit einem kleinen Sketch
über Unfälle und Unglücke. Das kann ja heiter
werden, denkt man - und es wird: »Tauben vergiften im
Park«. Was sich viele als Zugabe erhofft haben, setzt
Kreisler gleich an den Anfang. Doch dann bricht er sein wohl
bekanntestes Lied ab, bevor einer vielleicht auf die Idee
kommt, mitzusingen oder sich im Walzertakt zu wiegen.
Reingefallen. Wir sind bei Kreisler, nicht beim Heurigen,
nicht in einem Comedy-Programm. Damit die Enttäuschung
aber nicht zu arg ist, kommt die Melodie wieder. Allerdings
mit neuem Text: «Herzen vergiften in Rom«,
«Tauben vergiften« für Fortgeschrittene,
einen ganzen Abend lang.
Kreisler war noch sie so boshaft und so angriffslustig.
Daß er seine Unbequemlichkeiten in geistreiche
Wortspiele verpacken, sie mit Walzerseligkeit unterlegen und
diabolisch-elegant oder griesgrämig präsentieren
kann, das wissen wir. Doch wie er uns mit diesem Programm
noch einmal so richtig zeigt, was eine Harke politischen
Kabaretts ist, ist imposant. Wen kümmern noch die
Tauben, die Asylbewerber stören heute den
gemütlich eingerichteten Alltag: »Mausetot
frißt kein Brot, schlag sie tot«. Oder: Die
Geschichte vom Heimatland, für die er eine Maske
aufsetzt, von der man nicht weiß, ob sie an einen
arischen Burschen oder doch vielleicht an Jörg Haider
erinnern soll: »Wenn das die Mutter
wüßte«, «Wenn das der Vater
wüßte« - wenn das der Führer
wüßte? Nicht nur an diesen Stellen wird es ganz
still im Publikum. Es geht also. Allerdings nur dann, wenn
man die Mittel des Metiers meisterlich wie Kreisler
beherrscht, der die Faschisten küßt, wo er sie
trifft - und sich nicht auf Unverbindlichkeiten der
politischen Korrektheit zurückzieht.
Am Ende dann doch eine Art Resümee: »Egal, wohin
du singst, es bleibt belanglos, das Leben schreibt die
bessere Musik«. Wir hoffen mit Georg Kreisler,
daß es nicht so ist und bauen darauf: »Die Lieder
sind vergeblich - aber frei. // Wiesbadener Kurier / GERD
KLEE
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