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Programme
von
Georg
Kreisler / Barbara Peters...
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Ernste
Bedenken
Georg Kreisler und Barbara Peters im
Konzert
Der
Mann hat mittlerweile ,,Ernste Bedenken«. Deshalb
verzichtet er auf harmlose Scherze wie zum Beispiel das
Taubenvergiften im Park. Etwas Lustiges fällt ihm nicht
mehr ein, denn ,,Zote« reimt sich für ihn jetzt
auf ,,Tote«. Und von den Leuten, die ,,brav mit den
anderen verblöden«, glaubt er, daß sie
lachen wie immer - nur dümmer.
Georg Kreisler war da bei,,Nürnberg im Herbst« in
der restlos ausverkauften Tafelhalle. Doch ob seine treuen
Fans mit Erinnerungen an den schwarzhumorigen, garstigen
Kabarettisten geströmt kamen, war Kreisler egal. Er
hatte seine,,Lieder zur Zeit« dabei, und die
Publikumsbeschimpfung am Anfang zeigte, daß sich der
große alte Mann des kritischen Chansons nicht mehr mit
der Rolle des heiteren Satire-Clowns identifizieren will.
Kreisler geht zur Sache : statt Tauben vergiftet er jetzt
bürgerliche Idyllen. Er singt gegen
Mittelmäßigkeit und den neuen braunen Sumpf,
gegen ganz normale Dummheit und den Amüsierbetrieb an:
»Dreh den Fernseher ab, Mutter, es zieht.«
Zusammen mit seiner Partnerin Barbara Peters verbreitet der
mittlerweile 73jährige Kreisler im Konzert eine
Atmosphäre kratziger Melancholie. Alle Bequemlichkeit
ist aus den Liedern gewichen, und wenn sie doch einmal nett
und launig beginnen, sind die Widerhaken, die folgen, um so
spitzer. Wie eine ,,mutige, alternde Soubrette« kommt
er sich vor, sinniert ehrlich über die
Wirkungslosigkeit seiner Kunst und sieht seine Lieder
»in blauwattierter Ferne« verschwinden. Viel
Verzweiflung und Ärger über eine Welt, die
Kreisler längst zum »einsamen Haus« geworden
ist.
Denn man merkt, daß der Mann schon wieder die
Heimatlosigkeit fühlt: 1938 mußte das
jüdische Kind mit seinen Eltern in die USA emigrieren,
erst1955 kehrte er nach Europa zurück. Jetzt schickt
Georg Kreisler in einem Lied erneut einen Juden durch die
Welt auf der Suche nach einer Bleibe: aber der fühlt
sich nur dort zu Hause, wo er, wie schon immer, drangsaliert
wird - so will es Kreislers Zynismus.
Viel spricht der nachdenkliche Mann am Klavier von den
Träumen, die ihm abhanden gekommen sind. Auch Barbara
Peters' Stimme gibt diesen traurig-aggressiven Abschieden
Gestalt, Kreisler findet immer wieder neue Bilder für
eine gedankenlose Zeit, die ihm fremd geworden ist, in der
man ihm ,,das Herz aus dem Kopf genommen hat«. Seine
aphroditischen Träume passen nicht zur Realität,
das,,Draußen« ist für ihn nur ein ,,kalter
Winterschlußverkauf« in Deutschland, dem Land, wo
die Schablonen blüh'n«.
Ein leises, unbequemes Konzert, das den weisen Georg
Kreisler noch einmal auf der Höhe seiner Kunst zeigt.
// Bernd Noack, Nürnberger Nachrichten
Effekt
trauriger Lieder
Für
einen Liedermacher ist er zu bissig, für einen
Kabarettisten zu fern der Aktualität. Für einen
Zeitgenossen ist er zu altmodisch, aber für ein Denkmal
viel zu lebendig. Georg Kreisler, Jahrgang 1922, ist auf dem
besten Weg, ein Klassiker zu, werden. Er pflegt unbeirrt
seinen eigenen Stil: Klaviermusik, die viel Wienerisches
hat, und Texte, die eher in die Literatur eingehen werden,
als daß sie für den Alltagsgebrauch bestimmt
sind. ,,Lieder zur Zeit' nennt er sein neu-altes Programm,
das wenig mit der Gegenwart zu tun hat - auch wenn hier und
da ein aktueller Seitenhieb eingeflickt ist - und eher an
Tucholsky oder Erich Kästner erinnert.
Es kommt aus der ,,Schublade« eines langen Lebens und
enthält nicht die großen Hits (,,Geh' mer Tauben
vergiften im Park), sondern die leiseren, oftmals
komplizierteren Texte. ,,Was sagt man zu den Menschen, wenn
man traurig ist?' Georg Kreisler zeigt sich hier als
melancholischer Poet, und die Programmankündigung
,Achtung, es muß nicht gelacht werden!« ist
tatsächlich ernst gemeint, auch wenn das Publikum dies
offensichtlich nicht glauben will.
Da geht es um den Juden, der in der ganzen Welt umherirrt
und sich erst wieder zu Hause fühlt, wenn er in
Deutschland herumgeschubst wird ; um die hoffnungslose Frage
an ein neugeborenes Kind (Für was bist du
gekommen?«), und immer wieder die Seufzer: wenn ich
wenigstens meine Träume hätte.«
Vielleicht liegt der komische Effekt dieser traurigen Lieder
darin, daß der Interpret auch noch so melancholisch
aussieht, wie er sie vorträgt: ,Abzugsgräben
für das Lachen« hat Erich Kästner einmal die
tiefen Falten im Gesicht genannt - aber: daß Georg
Kreister, mit seinen unbewegten Augen hinter der
großen Hornbrille, überhaupt lachen könnte,
das kann man sich gar nicht vorstellen.
Da ist seine langjährige Partnerin Barbara Peters von
anderem Kaliber, wandlungsfähig, dynamisch, witzig,
kurz; ein Kontrastprogramm, das dem Kreisler gut bekommt.
Man sollte ihn sich ansehen - er gehört zu einer
Künstlergeneration, die sich von den
Kleinkunstbühnen zu verabschieden beginnt. //
Allgemeine Zeitung Mainz
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