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Das
Geburtstagsalbum von Ernst Stankovski -
zum 75sten in 2003:
LICHTBLAU
- Ein
Portrait
Best.nr.
kip 6026, im NRW Vertrieb, Wismar
1.
It ain't necessarely so; 2. Geh' zu den Gauklern; 3. Die Hand an der Wand; 4. Die verpasste
Gelegenheit; 5. Schwabing 64; 6. Ein deutscher
Totentanz; 7. Was für ein Clown ich war;
8. Der Mensch braucht einen Glauben ; 9.
Biermanns Gitarre; 10. Black is beautiful ;
11. Karriere; 12. Rocking the boat; 13.
Kovski; 14. Ohe Paris; 15. Die Frauen von
Paris; 16. Kehr ich heim; 17. Grabschrift;
18. Herr, gib ihm die ewige Ruh 19. Ich
möchte heim; 20. Du bist ein Spinner; 21.
Diskussion ja, JES, nein; 22. Die Wahrheit;
23. Lichtblau. // Gesamtlaufzeit 79:34
Alle Titel, soweit nichts anders vermerkt: Musik und Text
Ernst Stankovski. In dem 40seitigen Begleitheft der CD sind
Texte und weitere Hinweise enthalten.
Über
die CD...
Die
musikalisch-literarische Retrospektive eines großen
Künstlers...
kip
records veröffentlicht nach Ernst Stankovskis DAS
GROSSE TESTAMENT DES FRANCOIS VILLON (kip 6017) und
der CD mit Stankovskis Wiener Texten und Liedern
»Man kann net einmal sterben in Wien«, kip
6018, zu seinem 75. Geburtstag am 16. Juni 2003 einen
Abriss seines Lebenswerkes. Dass dies nur ein Auszug
seines Gesamtwerkes sein kann, ist
selbstverständlich.
Schließlich hat der große Schauspieler und
Entertainer Ernst Stankovski, Wortjongleur,
»Meister der eleganten Pointe« und
Träger des »Deutschen
Kleinkunstpreises«, so viele Facetten als
Künstler zu bieten, dass hier nur die von ihm
persönlich ausgesuchten Tondokumente und
Neueinspielungen älterer Werke enthalten sein
können. Seine vielen Aktivitäten im Bereich
Theater, Film und Fernsehen sind ein anderes Kapitel.
Anliegen dieser Produktion ist, die unbekanntere - um
nicht zu sagen: verkannte - Seite von Ernst
Stankovski ins Bewusstsein zu rücken. Den meisten
aus diversen Film- und Fernsehsendungen bekannt, sind
seine ziel- und treffsicheren Texte zu politischen und
gesellschaftskritischen Themen weitgehend von seiner
TV-Präsenz als Unterhalter verdeckt worden. Umso
bedauerlicher, da Ernst Stankovski sich schon immer als
einer der wenigen ernstzunehmenden Kabarettisten mit
Inhalt und Aussage in einer Welt des Comedy und Klamauks
bewiesen hat. Hier soll nun diese kritische Seite
verstärkt dokumentiert werden, mit Pointen, die man
manchmal lieber nicht verstanden hätte...
Seine Unterhaltungsqualitäten werden trotzdem nicht
vernachlässigt. Bei allem Nachdenken und wohl auch
Betroffenheit bei einigen Texten bleibt immer noch Raum
für Witz und Lachen - bei seinem Ruf als
»letzter Vagant der Kleinkunst« keine
Überraschung.
Das
Vorwort zur CD...
Ernst
Stankovski der Schauspieler - Ernst Stankovski der
Sänger; Stankovski der Kabarettist - Stankovski der
Poet, der Satiriker, der Musiker, der Komponist, der
Übersetzer... Genug der Schubladen.
Zu allem Überfluss gibt's ja noch eine längst
zugeschobene Lade: Ernst Stankovski der Quizmaster. Hier
auf dieser CD erinnert eine humorige Fußnote noch
an jenes Kapitel Stankovski (»Erkennen sie die
Melodie?«), in dem wohl am wenigsten vom
Stankovski drinsteckt. Wegen der Namensähnlichkeit
JANKOWSKI - STANKOVSKI, HORST - ERNST, der beiden oft
TV-Vervielfachten, regte Jankowski an, Stankovski
möge eine Lied über diese Verwechslungen
schreiben. Die Nummer KOVSKI sollte, mit Big Band im
Hintergrund, in seiner Show präsentiert werden. Es
kam nie dazu, und das Manuskript vergilbte in einer der
häufigsten TV-Schubladen: Der Lade des Vergessens.
Heute ist Stankovski längst kein Quizmaster mehr,
und der unvergessenen Meisterschaft des Horst Jankowski
sei mit der »Ausgrabung« eine späte
Reverenz erwiesen.
Auch im DEUTSCHEN TOTENTANZ ist vom »Master«
die Rede. Diese Nummer und das unterhaus-Programm
»Geh zu den Gauklern« brachte Stankovski 1975
den Deutschen Kleinkunstpreis ein. Und Kleinkunst im
besten Sinn ist auch das Entree zu Stankovskis
Soloprogramm »Worte«: KOMMT HER, IHR
WENIGEN. (Und er hat sich nie gescheut, auch vor
wenigen zu spielen - selbst als er es schon längst
nicht mehr nötig hatte...).
»Gebrauchs-Lyrik«, so nannte der Urvater des
deutschen Kabaretts, Otto Julius Bierbaum, 1898 das, was
auf den Bretteln, den Cabarets, den Kleinkunstbühnen
zuhause sein sollte. Texte, für den Tag entstanden,
mit dem Tag vergehend, und doch Erinnerung bewahrend an
vergangene Begebenheiten, ernste oder lächerliche,
wichtige oder nur wichtig genommene Skurrilitäten
und Absurditäten; festgehalten in einem Gedicht,
einem Wortspiel, einer Pointe.
Auf dieser CD ist so ein Schnappschuss: KARRIERE. Spontan
geschrieben, live nur ein einziges Mal dargeboten im RIAS
Berlin beim legendären »Zweiten
Frühstück mit John Hendrik«, dem wir
bei dieser Gelegenheit zum baldigen 100sten gratulieren.
Die Nummer wurde von einem Fan aus dem Radio
mitgeschnitten, die Tonqualität ist daher nicht so
gut wie die Stimmung damals im 19. Stockwerk des Europa
Center.
Kleinkunst ist auch Satire, bei Stankovski meist gereimte
kleine Kunstwerke. SCHWABING 64, SALZKAMMERGUT, BLACK IS
BEAUTYFUL, BIERMANNS GITARRE. (Weitere Perlen dieses
Genres wie JA UNSERE BUAM (Haider), DER PRÄSIDENT
(Waldheim) oder DREI PROZENT sind nicht auf diesem Album
vertreten, da sie schon in der Produktion »Man kann
net einmal sterben in Wien«, kip records 6018,
veröffentlicht sind.)
Dann ist da der Poet Stankvoski: Auf den Spuren von
Prevert-Cosma ein Chanson, DIE VERPASSTE GELEGENHEIT, die
Musik von Erwin Halletz. Dieser Titel war die Debutnummer
von Milva bei ihrem ersten TV-Auftritt in Deutschland.
DIE HAND AN DER WAND und DIE WAHRHEIT sind starke Texte
zu starker Musik von amerikanischen Komponisten Und ganz
ohne Musik: SINGE OH MUSE DEN ZORN (Im CD-Heft als
Text abgedruckt). Ein Gedicht im Hexameter-Rhythmus,
vorgetragen in einer Berliner Bierkneipe »Folk
Pub« - und für Minuten hatte die Bierausschank
Pause für Poesie an der Theke.
Der Übersetzer Ernst Stankovski begann schon 1951
anlässlich seines Engagements am Züricher
Schauspielhaus. Maurice Chevalier, Yves Montand und
Charles Trenet waren seine Vorbilder, und nach einem
Besuch in Paris, im Zug nach Wien, schrieb er 1952 den
deutschen Text zu Trenets OHE PARIS. Damals ahnte
Stankovski noch nicht, dass er 30 Jahre später
Villon übertragen und vortragen würde. Sein
Soloabend »Das große Testament des
François Villon« wurde mit dem Buxtehuder
Kleinkunst-Igel ausgezeichnet, im ZDF gesendet und
über 200 mal auf den Bühnen gespielt. Das Werk
ist als gleichnamige CD, kip records 6017,
erhältlich. Auf dem jetzigen Album sind drei Lieder
vertreten, die in der Bühnenfassung fehlen: DIE
BALLADE VON DEN FRAUEN VON PARIS sowie die beiden
Rondeaus KEHR ICH HEIM und HERR, SCHENK IHM DU DIE EW'GE
RUH.
Zeitbetrachtung und Stellungnahme waren und sind immer
ein Anliegen Ernst Stankovskis, dokumentiert in den
Liedern BIST'N SPINNER (aus den Tagen der
Baader-Meinhoff-Hysterie), DISKUSSION JA, JES NEIN
(eine Diskussion an der Universität in Wien),
und aktuell in 2002 die überraschende Parabel vom
Judenbuben Lichtblau und der Situation in Palästina:
LICHTBLAU.
Der Musicaldarsteller Stankovski ist mit drei Nummern
vertreten: WAS FÜR EIN NARR ICH WAR aus dem Musical
»Stop the World I want to get off«, ROCKING THE
BOAT aus »Guys and Dolls« und seine eigene
Version von IT AINT NECESSARELY SO aus »Porgy and
Bess«.
Eine
Fülle von Nummern fanden keinen Platz auf dieser CD,
obwohl die Rillen randvoll gepackt sind. Seine LESUNG, seine
SPRECHÜBUNGEN, seine Songs für das Stück
»Der Entertainer« von Osborne. Davon sind ICH BIN
NORMAL und sein BLA BLA BLA auf der CD zu Stankovskis
siebzigstem Geburtstag »Es ist noch nicht so lange
her« erschienen.
Na ja, so lange ist es ja noch nicht her, und für den
80sten müssen wir auch noch etwas übrig lassen.
Jetzt gratulieren wir ganz herzlich zum
75sten!
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